3 Jahre zogen ins Land seit Ahzumjots letztem Release namens „Monty„. Auch er war ein Teil dieser berühmten „neuen Reimgeneration“ und auch er nutze den aufkommenden Hype für ein Album nicht aus, sondern wartete um nicht irgendetwas zu veröffentlichen, sondern um eine Platte zu formen auf die er auch noch in ein paar Jahren Stolz sein kann. Ob sich die Warterei gelohnt hat?

Hört man das gute Stück komplett durch fällt einem direkt auf, dass das Ganze poppiger und allgemein melodischer klingt als sein Vorgänger. Es klingt auch alles über weite Strecken fröhlicher als sein Vorgänger. Der Opener der Platte trägt den Namen „Wann bin ich dran“ und wird auf einem knalligen Hip-Hop-Beat serviert. Thematisch dreht sich der Track um die Frage wann man dran ist. Diese Frage lässt sich auf diverse Situationen übertragen: Wann kommt dein eigener großer Moment? Wann bist du Teil der coolen Kids? Wann läuft dein Leben so wie es laufen soll? „Es ist gut wie es ist“ erschien als zweite Singleauskopplung und erzeugt in Verbindung mit dem Song „Raumschiff“ einen sehr schönen Zusammenhang, denn beide Tracks teilen sich die gleiche Hook. Manch einer würde Ahzumjot da Faulheit vorwerfen, ich persönlich finde das einen schönen Querverweis, dass die Hook a.) thematisch passt und b.) Querverweise so oder so super sind! In Filmen ist das doch auch cool wenn man sich denkt: Ha, da hat der Regisseur was aus ’nem anderen seiner Filme eingebaut. Chapeu! „Besser jetzt als spät“ beinhaltet eine schöne Message für all diejenigen, die die Dinge nicht am Schopfe packen sondern getreu dem Motto „besser spät als nie“ leben. Wie in den meisten Tracks findet man auch hier eine Gesangshook. Aber sowas ist ja aller spätestens seit Drake cool und passt auch vom Klang her [womöglich] besser als eine gerappte Hook. Genau das sieht man dann auch wieder in „Geschichte„, ein sehr schönes und wirklich gelungenes Lied! Es kritisiert die Leute, die einfach nur reden um etwas gesagt zu haben und stellt gleichzeitig die Offenbarung der Liebe zu einer Person da.

„Die schönste Geschichte, die du jemals gehört hast
Sie erzähl’n, sie erzähl’n, sie erzähl’n, sie erzähl’n
So viel, doch wie es endet weiss keiner genau
Ist okay, ist okay, ist okay aber willst du die Hauptrolle
Oder steigst du hier aus“ – Ahzumjot, Geschichte

Ahzumjot---2014--3Die „Ist-Okay“-Passage ist übrigens eine Hommage beziehungsweise ein Querverweis an Drakes Song „Uptown„. Gab es so in etwas auch schon einmal von Ahzumjot, auf dem Track „Is Okay“ mit KaynBock. Ein weiterer starker Song ist „4 Minuten“ der eine Art Autobiografie seiner jungen Jahre zu sein scheint. Hier erzählt Alan (Ahzumjots bürgerlicher Name; d. Red.) die Geschichte und die Beziehung zwischen ihm und seinen Eltern. Er scheint als Jugendlicher viele Probleme gehabt zu haben und lebte wohl in einem zerstrittenen Elternhaus. Jedoch gab ihm Bob Marleys „Is this love„, insbesondere die Zeile „I wanna love you and treat you right“ Hoffnung und verbindet ihn bis heute mit seiner Familie. Kurios ist dabei, dass Ahzumjot nach seinem Umzug nach Berlin gegenüber der ehemaligen Wohnung seiner Eltern wohnt(e). Ein Song der thematisch und vom Klang her total anders ist, ist „Der coolste Motherfxcker„. Eine (wohl ironische) Ode an sich selbst, aber nicht wie im Rap-Biz üblich durch „Bitches, Autos und Geld“. Nein! Ahzumjot profiliert sich über seinen Style. Und wenn wir ganz ehrlich sind müssen wir zugeben, dass dieser Alan das Modegame nicht ganz verkehrt spielt. Aber das ist ein anderes Thema. Ob er wirklich der coolste Motherfxcker ist weiß ich nicht, aber allein die schlichte Existenz dieses Liedes macht ihn cool.

„(Der coolste Motherfucker)
Und es ist ein Fulltime-Job
 Du arbeitest nine to five Ah
Für so etwas hab‘ ich keine Zeit
Denn ich – bin – cool“ – Ahzumjot, Der coolste Motherfxcker

Für mich persönlich ist ein Album dann gut, wenn es einen roten Faden hat und dich total in deinen Bann zieht, also du einfach nur dem Album zuhörst und dich dabei nicht langweilst. „Nix mehr egal“ ist ein solches Album, denn es macht einfach Spaß zuzuhören und es wird nicht langweilig, nachdem man den Repeat-Button vergewaltigt hat. Zudem hat es meiner Meinung nach einige Happy End-Momente wie zum Beispiel „8701„. Die Hook macht einem einfach direkt gute Laune. Eine Frage zum Abschluss noch: Liegt das nur an mir, oder erinnert euch der Sound auch ein wenig an Coldplay?