Es ist früh am Morgen, das Telefon klingelt. Ein Mann, Mitte 40, quält sich aus dem Bett und nimmt ab. Im nächsten Moment sitzt er im Bademantel in einem Besprechungsraum, es stehen einige Leute in Anzug um ihn herum und schauen sich ein Video an. Zu sehen ist eine junge Frau, völlig aufgelöst. Sie ist die beliebte Prinzessin der Englischen Krone und ließt die Bedingungen für ihre Freilassung vor: Unser Primeminister soll diesen Tag noch um 4 Uhr nachmittags Geschlechtsverkehr mit einem Schwein haben, live vor laufender Kamera.

„Was wäre wenn?“

Das ist die Frage die Black Mirror für jede neue Folge aufgreift. Zwar ist jede Episode für sich ein eigenes Universum, aber alle folgen einem Leitmotiv: Kommunikation und moderne Medien. „Black Mirror“ steht für den schwarzen Spiegel den man sieht, wenn der Bildschirm des Smartphones oder des Flatscreen-Monitors ausgeschaltet ist. Dieser schwarze Spiegel der uns auf uns selbst blicken lässt, wie wir in freudiger Erwartung auf ihn starren und hoffen dass er bald angeht.

Black Mirror

Zum Leidwesen mancher Leute muss ich allerdings warnen: Die in Großbritanien ausgestrahlte Serie ist noch ziemlich frisch (seit 27. Februar auf DVD) und nur auf Englisch erhältlich. Wo das schonmal geklärt ist… für alle die sich zumindest nur die erste Episode anschauen (der erste Absatz handelte von ihr), wird es sich lohnen.

Schon direkt am Anfang bringt uns Charlie Brooker in eine gefühlsmäßige Zwickmühle: Auf der einen Seite die weinende und verängstigte Frau, auf der anderen Seite die lächerliche Forderung an den Premierminister Englands Sex mit einer Sau zu haben? Dieses Mini-Universum ist so penibel ausgearbeitet, dass man innerhalb von 45 Minuten jeden erdenklichen Blickwinkel eingenommen hat, von der persönlichen bis zur globalen Ebene. Noch bevor Dinge geschehen malt man sich bereits den Worst-Case im Kopf aus und wenn es soweit ist, dann sitzt man schon auf der Sesselkante.

Ich möchte wirklich nichts vorwegnehmen, also höre ich hier auf. Es lässt sich nur sagen, dass die Schauspieler hervorragende Arbeit geleistet haben und durch Regie, Szene und Hintergrundrecherche eine glaubhafte alternative Welt entstanden ist, so als wenn wirklich gerade die Nachrichten laufen würden und wirklich ein Video auf YouTube existieren würde, das die Forderung an den Prämierminister enthält.