„Alter Knabe, was habe ich da gerade gesehen?“ – eine Frage die man sich unweigerlich stellen muss, wenn man den seit Donnerstag im Kino laufenden neuen Film von Regisseur Baz LuhrmannDer große Gatsby“ anschaut“, denn dieser lässt sich doch nicht wirklich sofort einordnen oder gar in eine Schublade stecken, sehen wir als Zuschauer doch eigentlich fast zwei Filme. Doch der Reihe nach, denn Fragen gibt es sowieso schon genug im „großen Gatsby“.
Der wenig erfolgreiche Autor Nick Carraway (Tobey Maguire) verlässt den Mittleren Westen und kommt im Frühjahr 1922 nach New York City. Es ist eine Zeit von lockerer Moral, glitzerndem Jazz und den Königen des Schwarzhandels. Auf der Jagd nach seinem eigenen amerikanischen Traum begegnet er dem mysteriösen Millionär und Party-Veranstalter Jay Gatsby (Leonardo DiCaprio). Außerdem trifft Carraway seine Cousine Daisy (Carey Mulligan), in die Gatsby verliebt ist, und ihren blaublütigen und untreuen Ehemann Tom Buchanan (Joel Edgerton). Langsam wird der junge Autor in die einnehmende Welt der Superreichen mit all ihren Illusionen, Hoffnungen und Täuschungen hineingezogen. Als Zeuge dieser Welt, die ihm so fremd ist und der Welt, die er selbst bewohnt, verfasst er eine Geschichte über unmögliche Liebe, unbestechliche Träume und eine hochgradige Tragödie.

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Einfach nur pompös

Mit einem stattlichen Budget von (geschätzten) 127 Millionen Dollar hat der australische Regisseur Baz Luhrmann die Romanvorlage von F. Scott Fitzgerald verfilmt. Eine Summe, wie sie schon in manch einem Film zu Stande kam, der letzten Endes jedoch wenig davon zeigte. Anders ist dies in Gatsby, denn tatsächlich sehen wir hier einen Kinofilm, der, vor allen Dingen in der ersten Stunde, fast im Sekundentakt in jederlei Hinsicht einfach nur pompös ist – und das darf gut und gerne mal was kosten. So strotzt der „erste Teil“ des Films geradezu von Extravaganz und Glamour, und geizt an keinen Ecken und Kanten. Sowieso wirkt das ganze farbenfrohe Gehabe auf der Leinwand zu Beginn oft wie ein riesiges Musikvideo, in das sich Filmstars wie Leonardo DiCaprio und Tobey Maguire lediglich verirrt haben. Möchte man es überspitzt ausdrücken, könnte man meinen, gerade die angesprochene Pompösität lässt zu Beginn keine wirkliche Tiefe zu den einzelnen Charakteren zu, so sehr wie man von knallenden Champagnerflaschen, bizarren Technoklängen und skurrilen Tänzerinnen mit tollen Kostümen abgelenkt wird.

Eben jene Tiefe ereignet sich erst viel später, wenn Luhrmann das anfänglich bunte Treiben mit seinen vielen Schnitten, die in der Tat die Hektik der 20er Jahre gut zu vermitteln wissen, in eine viel ruhigere Kulisse verwandelt, die dann einen gewissen Tiefgang zulassen soll, und in der wir endlich mehr in die einzelnen Charaktere abtauchen können. Doch just dieser plötzliche Wechsel wirkt befremdlich, nachdem wir uns gerade erst an die wilden Parties gewöhnt haben – Langatmigkeit ist das Stichwort.  „Der große Gatsby“ wandelt sich dann zur ruhigeren, recht tiefgründigen Geschichte, die zwar keinesfalls schlecht ist, jedoch nach dem schnellen Auftakt einfach nicht so passen mag.

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Leonardo DiCaprio – Man möchte ihm den Oscar zuwerfen.

Dennoch hat auch dies seinen Reiz, sehen wir doch (schon wieder) einen Leonardo DiCaprio, den man den Oscar einfach nur zuwerfen möchte. Warum der Hollywood-Star bisher immer noch keinen Academy-Award im Regal stehen hat, muss man sich auch hier erneut fragen, so gut spielt er den mysteriösen Millionär, den alle lieben und der doch so schwach und nervös wirkt, wenn er auf seine große Liebe trifft, auf den Punkt. Auch SpidermanPeter Parker Tobey Maguire überzeugt als Autor Nick Carraway aus dessen Sicht wir die Geschichte erleben. Eine zuckersüße Schauspielerin wie Carey Mulligan, die manch einem noch aus Drive bekannt sein sollte, vervollständigt neben Tom Buchanan, den wir als untreuen, hassenswerten Ehemann kennenlernen dürfen, einen hervorragenden Cast.

Was denn nun?

great-gatsby-leonardoDer große Gatsby hat wahrhaftig seine Höhen und Tiefen. So hat man als Zuschauer zunächst noch ein großes Fragezeichen über dem Kopf, bevor man erst viel später wirklich in den Film einsteigt, denn Luhrmann gelingt es eine solch gewaltige, pompöse 20er-Jahre Kulisse vermischt mit modernen Aspekten aufzubauen, die vor allen Dingen durch den hervorragenden Soundtrack beeinflusst wird (Jay-Z, Lana Del Rey, Beyoncé und Co – hier ist für jeden etwas dabei), die aber nach einer Weile nahezu erdrückend wirkt und an der man sich nach spätestens 30 Minuten sattgesehen hat. Wo anfangs die vielen Partyszenen irgendwann „too much“ sind, fehlt am Ende jedoch ein bisschen Pep, denn dann läuft die Geschichte so vor sich hin. Zwar ist die Story um Jay Gatsby toll erzählt, lässt einen zuletzt aber trotzdem recht kalt, weil die vielen Fragen, die sich Nick Carraway und wir als Zuschauer stellen („Woher hat er das Geld? Wer ist Gatsby? Warum ist jeder sein ‚alter Knabe'“) leider schon zu schnell geklärt werden und sich der Fokus des Films leicht von ihm abwendet. Ist das Mysterium Gatsby gelüftet, verkümmert die Erzählung zum durchschnittlichen Hollywood-Film.

Weil heute ein schöner Tag ist, gibt’s von uns noch einen kleinen Zusammenschnitt der bisherigen Trailer, unterlegt mit dem Norwegen-Beitrag des Eurovision Song Contests vom Samstag… Muss auch mal sein!

Fazit

Max: Trotz manchen Schwächen gelingt Luhrmann eine Verfilmung sehr nahe am Buch, die gerade zu Beginn etwas auf die Leinwand bringt, das man als Zuschauer noch nicht gesehen hat. So schön waren die 20er Jahre noch nie! Wer die Schauspieler mag, das Buch gelesen hat oder die Trailer auch nur irgendwie interessant findet, sollte sich den großen Gatsby nicht entgehen lassen. „Hangover“eske Partyszenen, tolle Kostüme, eine Besetzung die sich sehen lassen kann und ein hervorragender Soundtrack vertrösten doch einiges und machen „Der große Gatsby“ zu einem guten Film – nicht mehr und nicht weniger.

Kurz-Kritik von Daniel folgt.

3D Bewertung

„Der große Gatsby“ wird in vielen Kinos auch in 3D gezeigt. Wir sahen den Film jedoch im normalen „2D“, was ehrlich gesagt auch voll und ganz gereicht sein. Laut vielen Kritiken im Netz soll die 3D-Version sowieso nicht allzu sehr begeistern, von daher empfehlen wir die ganz normale „old school“ Variante – reicht auch!

Wie hat euch der Film gefallen? Wir sind gespannt auf eure Meinung in den Kommentaren!