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Unfassbar

„Was schaut ihr im Kino?“ „Die Unfassbaren….Irgendwas mit Zauberern“ „Ahhhhja“ – Zu mehr Information reichte es nicht für die SMS aus dem Kino bevor „Die Unfassbaren“ über die Leinwand flimmerte, denn so wirklich mitbekommen hat man im Voraus wenig von Regisseur Louis Leterriers (Der unglaubliche Hulk, Kampf der Titanen) neuem Film. Woran das liegt? Nun, vielleicht mag man da eher die Marketing Abteilung kontaktieren, denn am Film selbst scheint es nicht zu liegen. Wieso das und warum Zauberei auch über 115 Minuten im Kino funktionieren kann, das erfahrt ihr in unserer Kritik zu „Die Unfassbaren“ | „Now You See Me“. Unsere letzte Kritik zu „Der große Gatsby“ findet ihr übrigens hier.

Darum geht’s

Die Geschichte der „Unfassbaren“ ist recht schnell erzählt. Bei ihnen handelt es sich um vier große Talente in der Magierszene, die „Vier Reiter“, die durch einen Fremden zusammengebracht werden und mit einer Show in Las Vegas für Aufruhr sorgen. Es gelingt ihnen doch tatsächlich eine Bank in Paris auszurauben, und das scheinbar durch Magie. Kein Wunder dass das nicht auf taube Ohren beim FBI stößt, denn die wollen wissen, wie es denn bitte gelungen sein soll, binnen Sekunden von Amerika nach Frankreich zu reisen und dort eine Bank um gut 3 Millionen Euro zu erleichtern. Doch das mag es nicht gewesen sein, denn unsere vier Zauberkünstler haben noch etwas viel Größeres vor und scheinen allen anderen immer einen Schritt voraus zu sein…

Die Unfassbaren
Hätten wir gerne besser kennengelernt: Recht blasse Rollen verkörpert von einem tollen Cast

Toller Cast…

Was zugegeben nach einer recht simplen Handlung klingt, ist zu Anfang auch genau das, entpuppt sich jedoch zu einer interessanten und recht spannenden Geschichte, die mit einigen Wendungen zu begeistern weiß. Ebenso weiß das ein toller und namhafter Cast, der sich sehen lassen kann: Jesse Eisenberg („The Social Network“), Woody Harrelson („Die Tribute von Panem“), Isla Fisher („Der große Gatsby“), Dave Franco („Warm Bodies“), Mark Ruffalo („Marvel’s The Avengers“), Mélanie Laurent („Nachtzug nach Lissabon“), Morgan Freeman („Olympus Has Fallen – Die Welt in Gefahr“), Michael Caine („The Dark Knight Rises“), Michael Kelly („Man of Steel“) und viele weitere. Hier darf man sich als Zuschauer wirklich nicht beschweren, denn in schauspielerischer Hinsicht bleiben fast durchweg keine Wünsche offen.

… der recht unterfordert ist

Anders ist es da schon bei den einzelnen zu verkörperten Charaktere der Fall, denn hier wünscht man sich das ein oder andere Mal um einiges mehr Tiefgang. So begeistert die „Vier Reiter“ mit ihrer Zaubershow zwar durch ganz nette Persönlichkeiten, wie den gerne mal gerissenen, recht witzig wirkenden Merritt McKinney (Woody Harrelson) oder Kontrollfreak J. Daniel Atlas (Jesse Eisenberg), der in seiner Rolle als arroganter, weil bekannter, Zauberkünstler auch wirklich aufgeht, jedoch geht es nicht darüber hinaus. Und welche Eigenschaften genau jetzt Entfesslungskünstlerin Reeves (Isla Fisher) am besten beschreiben könnten? Keine Ahnung, sie ist in erster Linie wohl da, um hübsch zu sein. Auch eine Aufgabe!

So werden hier und da zwar einmal Hintergrund und Vergangenheit unserer Protagonisten angerissen, aber eben auch nur das und außerdem ist dies auch nur vereinzelt der Fall. Wieso jetzt der einstige Taschendieb J. Daniel Atlas (Dave Franco) bsp. unbedingt über seine Rolle in der Show sprechen möchte und sonst auch nur relativ wenig Screentime erhält, bleibt fraglich. Tiefgang bitte, Herr Leterriers, auch wenn Zauberei schnell über die Bühne gehen soll, um nichts zu verraten, hier dürfte man sich auch mal Zeit nehmen!

 

die-unfassbaren-zauberAlles und nichts

Nun, wenigstens wird genau Dave Franco mit einer tollen Actionsequenz entschädigt, dich sich wirklich sehen lassen kann und durchaus an so manch einen Jacky Chan Film erinnert. „Moment mal, lustige Kampfszenen und so?“ In der Tat! Trotz „Thriller-Stempel“ ist „Die Unfassbaren“ doch so vieles andere als das. Vor allen Dingen stellenweise wirklich witzig! Überhaupt lässt sich Louis Leterriers neuestes Werk nicht wirklich einordnen, wird doch so vieles angerissen und nicht zu Ende geführt. Der wirklich gute Flow peitscht das Geschehen nahezu voran, kaum Zeit für eine Pause. Das erinnert an andere Regie-Arbeiten wie „Kampf der Titanen“..  So hätte man sich eine wohl als romantisch geplante Geschichte zweier FBI Agenten dann auch gerne schenken dürfen, wenn sie doch nur so dürftig ausfällt. Überhaupt wirkt dieses „Anschneiden“ verschiedener Handlungen wie ein filmisches Stilmittel, denn wir springen von verschiedenen Perspektiven hin und her. Dass hier letztlich dann doch alles irgendwie miteinander verwoben ist, ist dann weniger Zauberei als das Ergebnis einiger konstruierten Handlungen, die die „Unfassbaren“ dann wirklich alles andere als fassbar, sondern vielmehr ganz schön abgehoben machen.

Abgehoben ist auch die Idee der generell nicht vorhandenen klaren Identifikationsfigur, denn tatsächlich wissen wir in „Die Unfassbaren“ nie ganz genau, auf welcher Seite wir stehen, denn eine klare Einteilung in „Gut und Böse“ gibt es nicht. So entpuppt sich der Film tatsächlich als eine überlange Zaubershow im Kino und lebt vom Überraschungsfaktor beziehungsweise der Tatsache, dass wir als Zuschauer über weite Strecken ganz schön im Dunkeln tappen. Wie sagt der Originaltitel des Films so schön: „Now you See me“ – von wegen, das ist dreist gelogen!

Fazit

Was zugegeben jetzt teils nach einem Verriss klingt, soll jedoch überhaupt gar keiner sein! Denn wer sich vom wirklich gelungen Trailer begeistert fühlte, der wird das vermutlich auch sein und sollte durchaus den Schritt ins Kino wagen. Louis Leterriers gelingt es eine verwobene Geschichte mit vielen Wendungen zu erzählen und das aus ganz verschiedenen Perspektiven. Ein guter Flow trägt über so manch eine sehr abstruse, konstruiert wirkende Situation gerade gegen Ende hinweg und wer eben nicht einen Film voller Tiefgang erwartet, sich mit recht eigenschaftslosen Schablonen als Hauptfiguren abfinden kann, Magie mag und sich einfach mal knapp zwei Stunden verzaubern lassen möchte, der findet in „Die Unfassbaren“ einen durchaus gelungenen, unterhaltsamen und auch witzigen Film, den man sich auch gerne noch ein zweites und Drittes Mal ansieht.

Um letztlich also noch einmal auf die Ausgangsfrage zu kommen: Nein, für eine SMS mit informativerem Inhalt reichte es auch nach dem Film nicht. „Die Unfassbaren“ ist ein zauberhaftes Abenteuer, das Ähnlichkeiten zur „Oceans“-Reihe aufweist, atemlos, abgehoben, und wohl selbst kaum weiß, was es eigentlich ist. Das, was es letztlich ist, weiß es aber gut zu verkaufen.

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