18 Titel als EP verkaufen ist auf jeden Fall gewagt – aber auch typisch Edgar W. Ob diese überdurchschnittlich lange EP auch überdurchschnittlich gut ist? Wir wollen es Euch auf jeden Fall verraten. Wer auf übelste Doubletimemassaker steht und  allgemein auf technisch versierten Rap aus ist, der kann direkt aufhören zu lesen. Für diejenigen jedoch, die sich für Ironie, Sarkasmus und Witze zum Nachdenken begeistern können, mag hier gegebenenfalls ein Juwel verborgen liegen.

IMG_3893Auf „Bad Boy“ erzählt uns Edgar auf ironische Art und Weise die Rolle von Frauen im Hip-Hop-Game. „Frauen haben halt mit echtem Hip-Hop nichts zu tun“, heißt es direkt in einer der ersten Zeilen. Zudem würden Frauen nur auf ihre Optik heruntergebrochen werden und sollten eigentlich nur in Musikvideos tanzen – solange sie denn hübsch seien. Dass das Lied höchst ironisch ist, sollte eigentlich jedem klar sein. Dennoch gibt es genügend Deutschrapfans, die diese Thematik hier für bare Münze nehmen und sich der – ich wiederhole – ironischen Meinung anschließen und die – ironische – Quintessenz teilen. Dazu muss man sich nur die YouTube-Kommentare zu Gemüte führen. Herrlich… „Westcoast W“ wurde bereits, so wie „Bad Boy“, vorab mit Video veröffentlicht. Aller, aller, aller spätestens hier merkt auch der Letzte, dass Edgar Wasser ein verdammt guter Rapper ist. Auf diesem typischen Hip-Hop-Beat, produziert von keinem geringerem als Peet, bringt Edgar hier einige sehr gute Wortspiele und Vergleiche. Beispiel gefällig? Bitteschön: „Meine Konkurrenz, ich lach‘ über die Trottel. Zuckowski mit Tippfehler im Vornamen – ROFL“ Im Großen und Ganzen handelt es sich hierbei um einen nicht allzu ernsten, dafür umso lustigeren Representertrack. Der erste wirklich namhafte Featuregast – Weekend – befindet sich auf „Weiße Flagge„. Thematisch handelt es sich hierbei um einen Track, der Scheinheiligkeit in all ihren hässlichen Facetten.

„Und trotzdem fahr‘ ich jedes zweite Wochenende
Mit nem Mietwagen kilometerweit durch Deutschland um irgendwo
In irgendeiner fremden Stadt ein Konzert zu geben
Stell dir doch mal vor, was für’n Heuchler ich wäre
Würd‘ ich jetzt was von Strom sparen erzählen
Was wär das für ein Stuss, will nicht wissen wie viel son Scheinwerfer
Im Club allein an Energie verschluckt“ – Edgar Wasser, Weiße Flagge

Ganz ehrlich: Ich empfehle dieses Lied hiermit offiziell all denjenigen, die Wasser (haha!) predigen und Wein trinken! Im Übrigen ist Weekends Part hierauf ganz ordentlich, das gesamte Lied wirkt jedoch langsamer als der Rest des Albums, ist eine Art „Ruhepause“ – im positiven Sinne. Wieder der lustigen Seite wendet sich Edgar H2O auf „Örtschndeis“ zu. Zum Hintergrund: Als Ercandize (gesprochen: Örtschndeis) 2012 sein Album „Uppercut“ herausbrachte, gab er in einem Interview zum Besten, dass es ein unfassbares Album werden würden, mit krassen Flows und den genialsten Combos. Dieses Juwel unter den Interviews zieht Edgar hier auf perfekte Weise durch den Kakao und weil das nicht genug ist, werden Teile des Interviews gesamplet. Dieser Track ist ganz großes Kino – Cinemaxx! „Ich komme mit Flows um die Ecke, als würd‘ ich um die Ecke kommen und zwei Florians anschleppen„, das ist auf diesem Song nur eine von vielen sehr guten und unterhaltsamen Lines. „Mazel Tov“ ist, wenn man das so sagen kann, wohl das Lied, zu dem man am Besten abgehen kann. Der Beat ist schön geschmeidig, im zweiten Part gibt es gar einen kleinen Doubletimepart. Auch beweist Edgar W. wieder, wie gut er mit der deutschen Sprache umgehen kann – besonders im zweiten Part.

Zusammenfassend kann bleibt eine Sache festzuhalten: Die Tourette EP überzeugt über weite Strecken, vor Allem auf textlicher Seite. Edgar benutzt sehr viele, schöne Vergleiche, tolle Wortspiele und des Öfteren gibt es auch eine Message, der man folgen kann (Weiße Flagge!). Die Beats sind manchmal, für meinen Geschmack, ein wenig zu ruhig. Aber das ist okay, das passt genau in das Gesamtbild. Poppige, oder exzentrische Beats wären hier fehl am Platze.