Der Kaiser sagte einst mal:  „Ja, is‘ denn heut’ scho’ Weihnachten?“ Weihnachten ist zwar noch über zwei Monate entfernt, jedoch stand vor kurzem ein anderer, für viele Leute wichtiger Feiertag vor der Tür: der FIFA 15 Releaseday! Jedes Jahr versprechen die Jungs von EA das „beste FIFA aller Zeiten“ auf den Markt zu bringen. Seit 2012 jedoch war das ganze nicht mehr als heiße Luft. Ob es dieses Jahr anders aussieht? Wir haben das Game für euch unter die Lupe genommen!

Das Feeling

Atemberaubend: So echt sieht Cristiano Ronaldo aus

Dieses Jahr lautete der große Slogan „Feel the Game“ – also fühl‘ das Spiel. Laut EA sollen nun alle 22 Spieler auf dem Rasen miteinander verknüpft sein. Teilweise stimmt das. Wenn mein Innenverteidiger Pepe den Ball per Kopfball zur Ecke klärt kommen seine Mitspieler zu ihm um ihm auf die Schulter zu klopfen. Vergibt jedoch Benzema eine Chance nach der anderen, so werden seine Kollegen ihren Frust an ihm auslassen. Jedoch werden gerade die Rempelsequenzen nach rüden Fouls schnell langweilig. Die Atmosphäre im Stadion hat sich meiner Meinung auch ein gutes Stück verbessert. Fans von ManCity zum Beispiel führen bei guten Ergebnissen auch den bekannten Poznan durch! Was auch ein nettes Feature ist, dass die Trikots bei fortwährender Spieldauer verschmutzt werden und sich der Rasen nach Schüssen und Grätschen abnutzt. Außerdem sehen Schneespiele endlich realistisch aus! Wer jetzt hofft diese Emotionen, den Realismus á la NBA 2k14 im Karrieremodus zu finden, der wird enttäuscht. Seinen eigenen Offline-Spieler zu erstellen ist noch immer so öde wie schon in den letzten Jahren. Auch im Managermodus hat sich in puncto Feeling nicht gerade viel getan. Dafür jedoch wurde die komplette Barclays Premier League lizensiert. Alle 20 Teams haben ihre Stadien, das Interface sieht so aus als würde man die Übertragung eines Ligaspiels im Fernsehen anschauen. Wenn EA es schafft in den kommenden Jahren auch die anderen Top-5-Ligen (Bundesliga, Liga BBVA, Ligue 1 & Serie A) komplett lizensiert darzustellen, dann wäre das ein verdammt großer Schritt in die richtige Richtung! Im übrigen wurde erstmals die türkische Süper Lig lizensiert, mit all ihren Teams!

Das Flagschiff – Ultimate Team

Der für EA lukrativste Spielmodus ist natürlich FUT – FIFA Ultimate Team. In diesem Modus kann man sich sein persönliches Traumteam aus weitaus mehr als 10.000 Spielern aufbauen. Diese kann man auf dem integrierten Transfermarkt erstehen. Die Spieler kosten mehr (Ronaldo, ca. 2.000.000 Münzen) oder weniger (Podolski, 900 Münzen) und Münzen kann man durch das absolvieren von Spielen gewinnen. Die größte Neuerung in diesem Spielmodus ist der Erwerb von Leihspielern. Man kann sich so zum Beispiel einen Robert Lewandowski für 3 Spiele ausliehen. Die Gebühr bezahlt man mit der EASFC Währung. Dieses virtuelle Geld erhält man für so ziemlich alles: Ein Spiel spielen, Skill-Challenge abschließen oder einen Spieler aus dem Lieblingsverein „verpflichten“. Ultimate Team ist der mit Abstand ausgereifteste und stärkste Spielmodus. Aber das ist auch logisch, da das Ganze für EA nichts anderes als eine Goldgrube ist. Klar, man kommt auch ohne eigenes Geld zu investieren an gute Spieler, aber das kann durchaus lange dauern. Jedoch kann man sich auch FIFA Points kaufen, womit man sich dann für umgerechnet 20 Euro 14 Premium Gold Packs kaufen kann, wo dann vielleicht ein wertvoller Spieler winkt. Dieses Jahr ist natürlich auch wieder das TDW, das Team der Woche, am Start, wo Spieler aufgrund ihrer reellen Leistungen bewertet werden. Schießt zum Beispiel ein Kun Agüero im Manchester Derby das entscheidende Tor, wird er ziemlich sicher als verbesserte (und viel seltenere) Version auf den Markt kommen. Ob es sich lohnt einen solchen, sogenannten In-Form, zu erwerben muss jeder selbst entscheiden.

FIFA 15 FUT-Zentrale (Im Menü)
FIFA 15 FUT-Zentrale (Im Menü)

Die Spielphysik

Neue Funktion: Erstmals könnt ihr den Empfänger der Flanke steuern

Die größte Neuerung im Gameplay sollten die Torhüter sein. Mit Tim Howard hat man sich einen der besten Keeper der WM als Leitfigur geangelt. Der Goalie der bei Everton unter Vertrag steht wurde in die EA Studios eingeladen um einige Paraden einzuspielen. Da erwartet man doch als Fan, dass die Torhüter endlich mal verdammt gut sein müssten, oder? Denkste! Teilweise erlauben sich die Keeper Böcke, da würde jeder Trainer durchdrehen. Im Eins gegen Eins ist es für einen Alvaro Morata (79 Overall) absolut gar kein Problem gegen den aktuell besten Torwart der Welt, Manuel Neuer (90 Overall) ein Tor zu erzielen. Man muss lediglich die Schusstaste antippen und auf den kurzen Pfosten zielen. Ich sage euch, mit dieser Taktik verwandelt ihr minimum 9 von 10 Schüssen. Außerdem reagieren die Torhüter teilweise bei den einfachsten Bällen einfach nicht. Der Ball fliegt einfach knapp über den Keeper, ohne, dass dieser pariert. Das nächste Problem stellen Longshots, also Fernschüsse, dar. Es gibt erstmals kein Rezept für den perfekten Fernschuss. Teilweise fliegen die Kollegen eher Richtung Eckfahne als auf’s Tor. Aber wenn dann tatsächlich mal ein Schuss den Weg zum Tor findet, dann sitzt der in den meisten Fällen. Was die Keeper dagegen neu erlernt haben, sind Wege den Ball zu stoppen, denn mittlerweile können die Torhüter Bälle gezielt mit dem Fuß klären, nutzen die Rückhand und haben allgemein neue Animationen um die Bälle zu klären. Zudem gibt es neue Möglichkeiten des Abstoßes. Man kann einen zweiten Spieler heranrufen, oder das Team nach vorne peitschen um den Ball weit aus den eigenen Reihen zu befördern. Aber den ersten Logikfehler finden wir direkt beim Anspiel. Durch den sogenannten Kickoff-Glitch ist es dem anstoßenden Team möglich direkt bis zum Tor durchzusprinten und zum Abschluss zu kommen. Denn mit einem einfachen Roulette á la Zidane kommt ihr an den beiden Stürmern vorbei. Danach? Leere. Das Mittelfeld ist praktisch nicht vorhanden und mit eurem Tempo kommt ihr locker an der Viererkette vorbei. Schusstaste antippen und zack, nach nicht mal einer Minute steht es 1-0. Ein weiteres Manko ist es, dass die Nachspielzeit in Hälfte eins und zwei in 90% der Fällen je 5 Minuten beträgt. Es spielt keine Rolle, ob das Spiel oft oder kaum unterbrochen wurde. Stur hebt der vierte Offizielle die Tafel mit der grünen 5 in die Luft. Des Weiteren wurde im Spielmodus Ultimate Team ein neuer Kartenwert eingeführt: Kopfballstärke FIFA 15 Anstoß (Im Menü)wurde durch Physis ersetzt. Es wurde gesagt, dass der Pacewert nicht mehr so wichtig ist und man mehr Wert auf die Physis werden sollte. Das stimmt jedoch nur bedingt. Die Physis ist dann merkbar, wenn ein bulliger Verteidiger den Flügelstürmer beiseite drängt um den Ball zu erobern, sofern er ihn einholen kann. Das ist realistisch und doch überraschend gut umgesetzt. Will sich jedoch ein bulliger Stürmer wie ein Wayne Rooney gegen einen filigranen Mittelfeldspieler durchsetzen,m so zieht er des Öfteren den Kürzeren, da der Mittelfeldmann ihm (relativ) einfach den Ball abnehmen kann. Somit kann man sagen, dass es keine wirkliche Formel gibt um den Ball zu behaupten, manchmal kommt es einem vor, dass man einfach nur Glück haben muss…

Fazit

Das beste FIFA aller Zeiten? Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher. Es ist auf jeden Fall das ansehnlichste FIFA aller Zeiten. Die Gamefaces sehen teilweise unfassbar realistisch aus, das ganze Feeling kommt immer näher an die echte Fernseh-Atmosphäre heran (abgesehen von den Kommentaren, wobei ich da tatsächlich Manni und Buschi aus der Schusslinie nehmen will. Ich glaube die beiden können herzlich wenig dafür, dass die falschen Kommentare an der falschen Stelle abgespielt werden, das hat wohl eher EA zu verantworten). Das Gameplay wiederum ist eher durchwachsen. FIFA hat definitiv seine Momente. Zum Beispiel wenn du das Spiel gestaltest und dann in der Nachspielzeit endlich das erlösende 1-0 schießt und deine 10 virtuellen Kollegen auf deinen Spieler zu rennen um mit dir zu jubeln und du dich wie der verdammte König der Welt vorkommst! Jedoch sind diese Momente streckenweise rar gesät. Viel zu oft fühlt man sich schlichtweg ungerecht behandelt, wenn man wieder 20 Torschüsse abgibt aber in der 90. den berühmten Kopfball nach einer Ecke kassiert. Aber Jungs, jetzt mal ehrlich: Macht nicht genau dieser Frust einen Teil des Spiels aus? Ist es nicht umso befriedigender wenn wir das Spiel darauf den Gegner gnadenlos umhauen? Was wäre FIFA ohne das ständige Aufgerege? Auch wenn ich später wieder am liebsten den Drücker zerstören würde, sage ich jetzt, komplett subjektiv und ohne Hass: Ohne das alles wäre FIFA stinklangweilig – genau wie im echten Fußball sind es die Niederlagen die uns vorantreiben.

FIFA 15 Anstoß (Im Menü)
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