germanys-next-topmodel-finaleAlle Jahre wieder beschert uns Heidi Klum einen Donnerstag-Abend der ganz besonderen Art, und so auch gestern, als sich diesmal in Mannheim in der SAP-Arena das Finale der mittlerweile achten Staffel von Germany’s next Topmodel zutrug. Einen Grund darüber zu reden, gibt es eigentlich nicht, denn alles blieb beim alten und so blieb auch das Finale dem Staffel-Motto „Closer than ever“ treu und zelebrierte es im Finale noch einmal ganz besonders. Was das heißt? Tränen, Tränen, Tränen, lautes Gekreische, blanke Busen – wobei Letztere wohl nicht geplant waren…

Das abendliche Spektakel beginnt bereits 20:15 Uhr nach einem unglaublich epischen, spannenden Intro mit Heidi Klum und Psy, dem koreanischen Superstar, der sich wohl sichtlich enttäuscht darin wiegt, dass sein neuer Hit Gentlemen noch nicht die Milliarden-Marke bei Youtube geknackt hat, und sich deshalb mit dem Topmodel „made in Germany“ an der Seite zum erneuten Popularitätsaufschwung verhelfen will. Heidi Klum fliegt standardgemäß mit dem Helikopter ein. Nicht irgendeinem kleinen Heli, nein es muss schon ein ausrangierter US-Militärhubschrauber sein. Dass dieser dann ganz ohne Rotoren auskommt und, an mehreren Stangen befestigt, von der Hallendecke hinuntergelassen wird, sollte wohl nicht gleich auffallen, so sehr bemüht man sich bei der Lichttechnik um grelle Scheinwerfer, viele Blitzlichter und Co., um das Geschehen gar möglichst pompös aussehen zu lassen.

germanys-next-topmodel-jury
„Wuhu“-Heidi wird standardgemäß in einem rotorlosen Heli eingeflogen.

Das scheint auch zu gelingen, denn als Heidi Klum von ihren beiden Mit-Juroren Thomas Hayo und Enrique Badulescu aus dem Heli begleitet wird, steht die Halle Kopf. Spätestens als die Modelmama dann zu ihrem ersten „WUHUUUUU“ in ihrer gewohnt grellen, heliumfarbenen Stimme ansetzt, stimmen knapp 10.000, überwiegend pubertierende Mädchen, zu einem homogenen Kreischkonzert an – der Fernsehzuschauer daheim dreht erst einmal leiser. Hier werden die herausragenden Moderationsfähigkeiten der vierfachen „Modelmama“ ersichtlich, denn der Teleprompter, der sich im Laufe des Abends neben Psy und einem merkwürdigen Roboter zu ihrem besten Freund entwickeln wird, ist noch aus und so übersteht sie die ersten Minuten inmitten eines kreischenden Publikums indem sie einfach selbst mitschreit: „WUHUU, ist das toll! WUHU! Mannheim! WUHUU! Toll! Wuuu!“ – Improvisation par excellence.

Die üblichen Verdächtigen im Finale

Doch dann geht es endlich los. Die vier Finalistinnen betreten den Raum. Wer die Staffel bislang noch gar nicht verfolgt hat, für den hier schnell eine Zusammenfassung, wer es ins Finale geschafft hat: Die Blonde (Sabrina), die Roothaarige (Maike), die Dunkelhaarige (Luise) und der exotische Lockenkopf (Lovelyn) oder auch „Die Zicke“, „Die die alle hassen“, „Die Favoritin“ und „Das Küken“. Manch einer mag meinen, die Jury handle hier Jahr für Jahr gar stereotypisch – diese Annahme wäre aber verpönt, das würde „Wuhu-Heidi“ nie tun, never ever, niemals!

Was sich nun ereignet ist, wie uns die beiden „Red„-Moderatorinnen Annemarie Warnkross und Lena Gerke (Letztere Topmodel-Gewinnerin der ersten Staffel) im Anschluss der Sendung verraten, nicht weniger als „das härteste Finale alle Zeiten!“. Große Worte. In Sachen „albernstes Finale aller Zeiten“ steht es jedenfalls ganz hoch im Kurs, denn die großen Aufgaben, die die Finalistinnen im Folgenden zu leisten haben, reichen vom sexy in der Badewanne posen bis zum auf Stelzen für ein Foto posieren. In der Zeit in der sich die Models umziehen, bekommen wir Einspieler aus dem „Trainingscamp“ zu sehen, das sich als schickes, renoviertes Fabrikgelände entpuppt, in dem die Models von einem möglicherweise nicht ganz heterosexuellen Tanzlehrer in Leggings das Tanzen beibringen lassen. Außerdem lernt Finalistin Sabrina, wie man möglichst sexy in eine Badewanne steigt, die von den Handwerken ziemlich schlecht befestigt wurde und droht auseinanderzubrechen. Luise bekommt Rat, wie es sich denn am besten mit einem überdimensionalen Fächer wedeln lässt, Maike wird das modelmäßige Räkeln auf einem IKEA-Sofa Récamière beigebracht und die erst 16-Jährige Lovelyn bekommt Nachhilfe beim sexy Umgang mit einem handelsüblichen Barhocker. Mit Sicherheit alles gute Fortbildungen für die spätere Karriere. Dennoch sei die Anmerkung erlaubt, dass sich selbst meine Katze anmutiger auf dem heimischen Sofa bewegt als so manch eine Finalistin…

germanys-next-topmodel-stelzen
Verlängerte Beine – Auf Stelzen absolvierten die Finalistinnen nichts weniger als „das härteste Finale aller Zeiten“.

Darüberhinaus lernen die 21 anderen Mädchen, die Heidi in den vergangenen Wochen allwöchentlich nach und nach aus Dubai, Hawai oder LA zurück nach Deutschland geschickt hat, den Tanz zu PSYs Gentlemen, den sie dann gemeinsam live auf der Bühne performen dürfen. Was wirklich dämlich klingt, resultiert in einem Versuch von 21 + 4 Models möglichst toll und sexy um einen kleinen Koreaner auf einem Podest herum zu tanzen. Heidi gefällt es trotzdem, zumindest der kleine Asiate, der hat es ihr sichtlich angetan, stimmt sich doch erneut in ihren „WUHU“-Rausch ein, in dem für die 40-Jährige sowieso alles nur noch „total toll“ ist. Sowieso ist sie „total stolz“ auf ihre „tollen Mädels“, die alle so „wunderhübsch“ sind – „wuhu!“.

Neben Psy ist es der liebe Titan, an dem Heidi gefallen gefunden hat. Titan ist ein Roboter. Ja richtig, ein Roboter, denn ein jeder weiß, wenn es etwas gibt, für das sich junge Mädchen interessieren, dann sind es auf alle Fälle Roboter, die mit elektronisch verzerrten Lauten alberne Witze erzählen. Man mag sich fragen, was in den Köpfen der Macher vorgegangen sein muss, um einen Roboter auf die Bühne zu schicken, der gerade dann erscheint, wenn der gemeine Fernsehzuschauer denkt, es ginge sowieso nicht mehr peinlicher. Doch vielleicht irre ich auch und die neue, noch mehr emanzipierte Mädchen-Generation hat’s eben mehr mit Technik als mit Barbie. Heidi jedenfalls hat unheimlich viel Spaß mit Titan, was unweigerlich an der rapide ansteigenden „WUHU“-Rate zu erkennen ist und das kauft man ihr auch wirklich ab.  Weniger ist dies bei den angehenden Topmodels der Fall – die tun wohl nur so als ob und wenn man Spaß hat, dann macht man „WUHU!“ – das haben sie bei Heidi gelernt.

Nun gut, zurück zum eigentlichen Finale. Sabrina muss überraschenderweise als Erstes gehen, wird zum Entsetzen vieler in der Arena nur Vierte. Heidi Klum tut das „total leid“. Das ist ihr zwar nicht unbedingt anzusehen, aber sie hat immerhin eine Schulter zum Ausheulen frei. Sekunden später ist aber auch die weg, stattdessen die Familie der 21-Jährigen zur Stelle und die Kamera hält drauf. „Closer than ever!“ eben und viel näher können wir als Zuschauer auch nicht am eigentlich privaten, intimen Gespräch mit der Familie dabei sein, die versucht die völlig aufgelöste, schluchzende Krankenschwester, die ihren Job zugunsten von „Germany’s next Topmodel“ erst einmal pausiert hat, zu trösten. Eine knappe Stunde später folgt ihr die eigentlich als Favoritin gehandelte Luise, der Schock bei den Fans ist groß, wird aber durch das eigentliche Highlight des Abends unterbrochen. Meine Damen und Herren, es ist Zeit für eine neue Runde:

„Ich habe gerade nackte Busen vor mir gesehen“ by Heidi Klum

germanys-next-topmodel-finale-flitzer
Das Bild des gestrigen Finales. Schnell ein Hit im Netz – Foto: dpa

Mit dem Ausscheiden von Luise stürmen zwei Femen-Aktivistinnen die Bühne – oben ohne versteht sich. Die Regie reagiert blitzschnell und blendet umgehend weg, schade um die gewollten traurigen Momente, denn blanke Brüste passen so gar nicht dazu. Doch die beiden „Flitzerinnen“ haben eine klare Botschaft. Auf ihrem Oberkörper heißt es „Horror Heidi Picture Show“. Auf dem Rücken „Heidi hates you“. Und genau diese Botschaften sind es, die das Finale perfekt beschreiben, das an Oberflächlichkeit doch nicht mehr zu überbieten ist. Da räkeln sich vier junge „Frauen“ um die Wette, „denn nur eine kann Germany’s next Topmodel werden“, doch was ist das schon wert?

„Germany’s next Topmodel“ personifiziert von Heidi Klum suggeriert jungen Mädchen den Erfolg durch gutes Aussehen, nicht mehr und nicht weniger. Jeglicher „Charakter“ wird außer Acht gelassen, Klums Auslassungen über einige Teilnehmerinnen der Sendung, die dann doch mal wieder einen Teller Spaghetti Bolognese zu viel gegessen und haben und doch ja bitte den Bauch einziehen sollen auf den Fotos, ist ein Schlag ins Gesicht der Frauenbewegung der letzten Jahrzehnte. Die „Mädchen“ sind nichts weiter als blasse, charakterlose Hüllen, die Produkte verkaufen sollen. Einzig und allein Schönheit führt zum Erfolg, und wer den ein oder anderen Teller Nudeln ab sofort weglässt, der hat dann auch bestimmt Chancen, nächstes Jahr „Germany’s next Topmodel zu werden“  – der Aufruf zum Bewerben startete bereits in der Werbepause des gestrigen Finales.

Gewonnen hat übrigens letzten Endes „das Küken“, „die Exotische mit den Locken“ oder wie Heidi Klum es zu sagen pflegte: „Baby-Beyoncé“ – Die heißt übrigens Lovelyn, ist 16 Jahre alt und hat gute Chancen sich in die Reihe erfolgreicher „Germany’s next Topmodel“-Kandidatinnen einzureihen – Heidis Papa Günter Klum mag sich jedenfalls die Hände gerieben haben, gibt es doch wieder neue Knebelverträge zu vergeben. Ansonsten winkt die Chance ganz groß rauszukommen. Entweder wie die erwähnte Lena Gerke als erfolgreiche Red-Moderatorin, „Backstage-Frau“ Rebecca Mir, die das Finale teils mit inhaltslosen Kommentaren zu begleiten wusste, oder Fiona Erdmann und Co., die manch einer noch aus dem diesjährigen Dschungelcamp kennt.

In diesem Sinne. Bewerbt euch Mädchen, Heidi wartet schon. Wuhu!