2003 gewann er eine der ersten großen Casting-Shows im Deutschen Fernsehen in der Kategorie der lustigsten Menschen. Gut 12 Jahre später ist Ingo Oschmann immer noch auf den Bühnen der Bundesrepublik unterwegs, weiß einiges mehr über das Fernsehgeschäft, bereut manches aber doch nicht alles. Ein Interview über die Vorteile des Prominent-Seins, deutsche Sparten und ein lustiges, wie magisches Bühnenprogramm.

Ingo, Du stehst als Kabarettist und Zauberer auf der Bühne, machst Kinderunterhaltung, Hörbücher und schreibst auch noch. Als was siehst Du dich am liebsten?

Als Unterhalter! In Deutschland gibt es ja viele Sparten. Da heißt es: „Der kann das, der kann das und das kann er nicht“. Blödes Beispiel: Wildecker Herzbuben. Die machen ja bekanntlich Schlager und Volksmusik, aber was keiner weiß: Die machen auch richtig guten Jazz! Aber das weiß halt keiner, weil sich das auch nicht verträgt und deshalb gehen sie damit gar nicht so um. Bei mir ist es so: Ich lass mich in keine Schublade stecken. Ich mache alles was mit Unterhaltung zu tun hat.

Bekannt wurdest Du ja vor allen Dingen durch deinen Sieg 2003 bei der SAT1-Show „Star Search“ – mit einer der ersten Castings-Shows im Deutschen Fernsehen. Ich war seinerzeit 10 und wollte anrufen..

Danke! Jetzt fühle ich mich richtig alt! (Lautes Lachen)

Ingo-Oschmann-2Wie hat sich denn dein Leben danach verändert?

Es war total aufregend! Ich war ja im Grunde Lokalmatador in Bielefeld und auf einmal kennt dich ganz Deutschland, Österreich und die Schweiz und damit musst Du auch erst einmal klarkommen. Das war eine krasse Nummer! Du gehst zum Bäcker und kaufst deine Brötchen und die Bäckerin lässt sich nichts anmerken und meint „Schönen Tag noch, Herr Oschmann!“. Das ist ungewohnt, wenn dich auf einmal jeder kennt und jeder eine Meinung zu dir hat. Aber es gibt auch schöne Seiten: Du kannst dich ausprobieren! Viele kennen das, dass man gerne mal ein Buch schreiben oder ein Hörspiel machen möchte und diese Möglichkeiten hast Du dann halt. Die Möglichkeiten hatte ich dann. Ich konnte direkt überall mitmachen und habe auch viel ausprobiert. Das ist toll und deswegen probiere ich mich viel aus. Ich habe sogar Theater gespielt mit Jürgen von der Lippe! Als Normalsterblicher hast du die Möglichkeiten nicht. Mit einer gewissen Prominenz fällt dir vieles leichter – ob das jetzt gut ist oder nicht ist eine andere Frage. Aber du hast halt die Möglichkeiten und es wäre doof, die nicht zu nutzen… Ich hatte eine eigene Fernsehsendung, habe bei John Sinclair im Hörspiel mitgesprochen und und und. Ich hab’s nie bereut da mitzumachen!

Das hört sich sehr positiv an! Heute hört man ja oft davon, dass viele ihre Teilnahme bei den heutigen Castings-Shows später bereuen. Die Karriere ist nicht die erwartete, sie werden in eine Ecke gedrängt oder sehen sich Knebelverträgen ausgesetzt. Wie war das damals? Bist Du froh bei einer der ersten Fernsehsendungen dieser Art dabei gewesen zu sein?

Ja total! Ich kenne mich jetzt nicht aus mit den aktuellen Knebel-Verträgen, aber bei uns war das halt anders. Die Erfahrungen der Sender waren damals auch noch nicht so groß. Ich habe auch manches im Fernsehen gemacht, wo ich später dachte: „Das hättest Du mal besser sein lassen!“. Der Punkt ist, wenn du die Möglichkeit hast, fehlt dir die Erfahrung im Fernsehen. Da kann es schnell passieren, dass man dann mal Sachen macht, die nicht so gut sind. Ich glaube, dass der Druck heute höher ist. Wir hatten damals vier Sieger, nicht nur einen. Wir hatten die Sparten Comedy, Sänger, Kinder-Sänger und Models. Da war der Fokus durch vier geteilt.  Heute gibt’s da eine Sendung und alle stürzen sich drauf. Du hast heute ein ganz anderes Umfeld in diesen Shows. Ganz viele Leute die auf einmal entscheiden, was gut für dich ist und was nicht. Und aus Hilflosigkeit vertraust du diesen Leuten – da kannst du Glück haben, du kannst aber auch ganz schön auf die Fresse fliegen.

Dein aktuelles Programm heißt „Wort, Satz und Sieg“. Was zeichnet es aus?

Ich rede viel mit meinem Publikum und gehe gut mit ihm um. Ich sage immer: Ich bin der Orchesterleiter, das Publikum ist das Orchester und das Orchester macht die Musik. Das schlimmste was dir auf der Bühne passieren kann ist, wenn du dich als Künstler auf der Bühne fragst „Was mache ich hier eigentlich?“. Je mehr sich das Publikum engagiert, desto genialer wird der Abend. Das Kostbarste was wir haben ist unsere Zeit und ich will meinem Publikum was bieten für den Eintrittspreis und das geht auch nur, wenn viel passiert, das man nicht planen kann.

Und dafür trittst Du dann auch gerne mal aus Zauberkünstler auf der Bühne auf…

Ja, klar! Die Zaubertricks sind ja auch alles lustig. Ich mache zum Beispiel ein russisches Roulette mit Coca-Cola Dosen. Ein Zuschauer darf eine Dose schütteln und dann machen wir sie über unseren Köpfen auf, bis einer verliert. Also es ist immer lustig,, immer spannend, aber das Publikum fragt sich auch „Wie geht das denn, was der Vogel da oben auf der Bühne?“.

Mittlerweile machst Du also viel auf der Bühne, nachdem es ja lange Zeit im Fernsehen rund ging. Was ist dir lieber? Die Kamera oder das direkte Publikum vor dir?

Das schöne ist ja, das ich beides machen kann. Ich mache Kinderprogramm, Workshops, ich koche mit Leuten und erkläre Zaubertricks, ich schreibe Bücher und und und. Ich liebe die Bühne! Aber auch ich komme irgendwann an den Punkt, an dem ich mal eine Pause brauche und etwas anderes will. Ob das jetzt Fernsehen oder Kinderprogramm ist. Das beflügelt sich alles gegenseitig und gibt neue Motivation! Von daher kann ich gar nicht sagen, was ich lieber mache. Mittlerweile bin ich aber an dem Punkt angelangt, an dem ich nur noch Dinge mache, die mir Spaß machen – das ist das Hauptkriterium. Da ist Fernsehen genauso dabei wie Bühne.

Danke Ingo für deine Zeit und das Interview!

Alle Informationen zur aktuellen Tour von Ingo Oschmann findet ihr auf seiner Website.