dschungelcamp-2013-sonja-danielDas RTL Dschungelcamp zählt zu den erfolgreichsten Formaten im deutschen Fernsehen, das ist Fakt. Zum Finale der vergangenen Staffel schalteten 8,76 Millionen Zuschauer ein, ein absoluter Quotenhit auf den der Kölner Sender stolz sein kann. Doch sonst scheint keiner irgendwie stolz auf das merkwürdige Ekelformat mit Kultfaktor zu sein, zumindest will es keiner gesehen haben. Als das Format im Januar für den diesjährigen Grimme-Preis nominiert wurde, war die Empörung groß. Auf einmal will es wieder keiner gewesen sein, auf einmal hat sich wieder ein gar keiner erfreut am Leiden der selbsternannten Prominenz, oder deren Mütter. Bei der 49. Vergabe der Grimme-Preise ging das Trash-Format „Ich bin ein Star – holt mich hier rausleer aus – Die Freude ist groß: und alle so yeah!

Keiner schaut es, jeder findet es niveaulos, und trotzdem…

Doch woher kommt diese Diskrepanz zwischen Quotenhit, der eine Zeit lang Gesprächsthema in Schule und Kantine ist, und allgemeinem Volksaufruhr, wenn die Resteverwertung der deutschen Prominenz mit dem Buchstaben in der Kategorie weit hinter dem K für „Kennt kein Schwein“ plötzlich für einen renommierten Preis vorgeschlagen wird? Für die „Kritiker“ des Dschungelcamps ist dies natürlich ein gefundenes Fressen und Nährboden für die Theorien à la Volksverdummung in Deutschland und den Weltuntergang. Doch was ist mit denen, die kürzlich noch offen zu ihrer Begeisterung fürs große Kakerlakenbaden, Heuschrecken-Anknabbern und Stierhoden-Essen standen?

dschungelcamp-seeDie sind auf einmal ganz klein, verstummen geradezu in den Diskussionen im Netz. Wo im Januar noch das große „Für das Dschungelcamp-Sprechen“ und ein allgemeines Rechtfertigen für den Hype ums Zeltlager der abgehalfterten „Promis“ bei Spiegel Online Hochkonjunktur feierte, herrscht nun Friede, Freude, Eierkuchen. Alle sind glücklich, alle sind froh. „Gott sei Dank!!!!!“ liest man da. „Sonst hätte das Deutsche Fernsehen wohl tatsächlich den letzten Anspruch und Respekt verloren“ heißt es weiter.

Das Problem mit der Rechtfertigung vom Dschungelcamp 

Doch ist dieses Verhalten nicht etwas falsch? Weiß Gott, ich will hier nicht die Aufregung um die Nominierung des Dschungelcamps anprangern, „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“ ist ganz sicher die falsche Sendung, wenn es um einen renommierten Preis wie den Grimme-Preis geht. Die Nominierung hat mit Sicherheit einen Schatten auf die Veranstaltung geworfen, den die Jury letztlich noch dahingehend abwenden konnte, als dass sie das RTL-Format schlichtweg durchfallen ließ. Was vielmehr einen faden Beigeschmack hat, ist die plötzliche Empörung aller. Wer das Dschungelcamp noch Anfang des Jahres feierte, der ist auf einmal sein größter Gegner. Auf einmal ist wieder da die Rede von Volksverdummung, wo vor ein paar Wochen noch der Zynismus und die cleveren Dialoge der beiden Dschungelcamp-Moderatoren Sonja Zietlow und Daniel Hartwich gelobt wurden. Plötzlich ist das Unterhaltungsformat einem jeden ein Dorn im Auge, und ja sowieso ein Armutszeugnis für die deutsche TV-Landschaft.

Foto: RTL/Stefan Menne
Foto: RTL/Stefan Menne

Auf der einen Seite der Versuch die Sendung schön zu reden, um sich vor der Kritikern zu verteidigen und ja nicht als typischer RTL-Zuschauer zu gelten, auf der anderen Seite der plötzliche Protest, wenn das Format für einen TV-Preis vorgeschlagen wird. Diese Zweigleisigkeit wirkt befremdlich, und führt dazu, dass ein jeder „Dschungelcamp-Fan“ irgendwie nicht mehr ernst genommen werden kann. Sollten  „wir“, die tatsächlich Spaß daran haben, sich abends über die „Prominenz“ lustig zu machen, und gerne den gemeinen, von der Karte abgelesenen, teils einstudierten Dialogen von Sonja und Daniel lauschen nicht einfach einmal ehrlich sein und dazu stehen, dass es sich beim Dschungelcamp um die einfachste und niveauloseste Unterhaltung handelt, die das Fernsehen bieten kann? Es sind nicht Zynismus und intelligente Sprüche die das Format tragen, es ist die pure Neugier der Fernsehzuschauer, wer sich denn heute wieder lächerlich macht, es sind natürliche menschliche Triebe, vielleicht auch menschliche Abgründe… Das Dschungelcamp ist keine intellektuelle TV-Unterhaltung, das hat die Grimme-Jury ganz richtig entschieden. Es ist die Abendunterhaltung, bei der man vorher das Gehirn ausschalten sollte, wenn man sich noch glücklich schätzen kann, Besitzer eines solchen zu sein. Nicht mehr und nicht weniger.

Also bitte, liebe Dschungelcamp-Zuschauer, seid ehrlich zu euch selbst, wenn ihr im kommenden Jahr wieder den Versuch unternehmen solltet, euch für eure Anspruchslosigkeit zu rechtfertigen. Ist ja nicht schlimm, muss auch mal sein! Aber entweder so, oder Grimme-Preis…

Wie steht ihr zu dem Thema? Wir sind gespannt auf eure Kommentare! 😉