Dramatische Klaviermusik! Ein dröhnender Bass, der etwas an Hans Zimmers „Inception“-Soundtrack erinnert. Und dann diese raue Stimme, die sagt: „Wir haben gerade 5 Uhr“. Bassdröhnen! Schwarze Blende mit weißem zoomenden Titel: „Eine Bundeswehr Originalserie“… Bitte, lieber Gott. Lass das eine Böhmermann-Satire sein! Doch sie ist es nicht.

Die gute deutsche Bundeswehr hat dem Rekruten-Mangel den Kampf angesagt. Mit großen Geschützen fährt man auf, direkt dort, wo junges Kanonenfutter junge Menschen sind. Youtube.

Es klingt nach einer Realsatire, doch tatsächlich ist die Bundeswehr unter die Filmemacher gegangen und hat eine Webvideo-Reihe ins Leben gerufen. Man will neue Rekruten dort abholen, wo sie ihre Freizeit verbringen. Im Internet.

Begleitet werden Julia, Nathan und Jerome auf ihrem Weg durch die Grundausbildung. Am 1. November startet die Serie der Bundeswehr auf Youtube. Zu sehen gibt es aber schon jetzt die Vorstellungsvideos der „Rekruten“ und würde man den Auftraggeber dieser Serie nicht kennen – man könnte die Videos locker für „Berlin – Tag & Nacht“, „Goodbye Deutschland“ oder eine andere beliebige Trash-Dokusoap halten.

Denn „Die Rekruten“ bringt alles mit, was eine trashige Sendung braucht. Mal traurige mal lustige Hintergrundmusiken, schlechte und offensichtlich gescriptete Handlungen (Jerome „Der Checker“ macht gerade Klimmzüge, als die Kamera-Crew kommt und ihn total überrascht bei seinem Training!), und viele, viele Close-Ups verschiedenster Emotionen. Da heult Nathan im Zug, weil er jetzt zur Grundausbildung fährt (gefundenes Fressen für die Serienmacher). Dann heult die Mutter von Julia, weil diese jetzt zur Grundausbildung fährt. Nur Jerome (nochmal zu Erinnerung: „Der Checker“!) heult nicht. Er macht lieber Breakdance und „checkt“ 10-mal in die Kamera, dass wir auf jeden Fall „Die Rekruten“ bei Youtube abonnieren und die Videobeschreibung „checken“ sollen. Yeah!

Die Bundeswehr-Videoreihe kostet Millionen

1,7 Millionen Euro hat die Webvideoreihe der Bundeswehr gekostet. Reine Produktionskosten. Dazu kommt ein Vielfaches für die Bewerbung der Videoreihe. 6,2 Millionen Euro gehen für „Medialeistungen“ drauf – also für die Werbung bei Youtube, Facebook und Co. Kein Wunder, dass man bei Youtube den „Die Rekruten“-Teaser schon seit Tagen vor vielen Videos angezeigt bekommt. Klar, dass die Stimmen da gleich laut werden. So meinte der Grünen-Verteidigungspolitiker Tobias Lindner zum Beispiel schon, so lange die Ausrüstung der Bundeswehr marode sei, nützten die teuersten Werbefilmchen nichts. Die Millionen solle Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen doch lieber für die Soldaten ausgeben.

Bundeswehr-Kommunikationschef Dirk Feldhaus glaubt dagegen, das Geld sei eine gute Investition: „So haben wir 90 Tage lang immer wieder neue Inhalte auf Youtube, die noch jahrelang immer wieder auf Youtube gefunden werden. Das interessiert auch Jugendliche in der Zukunft noch.“

Und was halten wir jetzt von diesem Schritt der Bundeswehr ins Internet?

Erst einmal nichts. Es bleibt abzuwarten, inwieweit die Dokureihe wirklich authentische Eindrücke aus dem Leben der Rekruten zeigt. Ob das klappt, ist aber ziemlich fraglich. Vielmehr lassen die bereits erschienene Teaser auf eine sehr glorifizierte Verkaufe der Grundausbildung schließen. Die Bundeswehr gibt sich hip, cool, lässig… Ist sie das wirklich?

Denn wie war das nochmal? So ein Soldat muss auch in den Krieg, oder? Kriegen wir die Entschärfung einer Autobombe oder den Hinterhalt irgendwelcher asozialen Terroristen dann auch so hip, cool und lässig verkauft?!

„Yeah, hier Jerome „der Checker“! Ich habe gerade einen ISIS-Bastard abgeknallt! Voll fett! Jetzt mache ich bisschen Breakdance und putze dann mein G-36. Irgendwie schießt das voll oft danaben – maaan!“

Mir dreht sich der Magen um.

Foto: dpa / Bundeswehr-Youtube-Kanal