neo-magazin2„Good old“ Böhermann ist wieder Single. Zumindest im Fernsehen. Und jetzt auch richtig öffentlich. Wobei „öffentlich“ ja so eine Sache für sich ist, denn der (im Intro zur Sendung von Show-Gott Lanz geadelte) Entertainer hat sich keinen geringeren Sender als den ZDF Spartensender ZDF Neo ausgesucht, um seine Anhängerschaft und die, die es noch werden wollen, mit seinem neuen NEO Magazin beglücken zu können. Eigentlich dann schon fast Fernsehen für sich selbst, denn wer schaut denn heute noch ernsthaft Fernsehen und dann auch noch NEO? Buh!

Nun ja, muss man ja auch nicht, denn als sei es der provokative Beleg für die sarkastischen Witzeleien des Moderatos über das Fernsehen selbst, läuft die Erstausgabe des NEO Magazins auch schon Stunden vor der TV-Ausstrahlung im Netz – und wird bejubelt. Der Musical-Fan Böhmermann hat endlich sein eigenes Format, und da ist es auch nicht verwunderlich, wenn er dieses eben mit einer Musicalnummer eröffnet, die ihres Gleichen sucht und in der er über seine Vergangenheit mit Ex-Co-Moderatorin Charlotte Roche Sarah Kuttner singt und sich mit seinem Problem der Alleinmoderation auseinandersetzt. Nachdem er nach einem Suizidversuch im Elektroauto von Radiokollege („Sanft und Sorgfältig“) Olli Schulz ausgelacht wird und seine Pirouetten auf dem Eis dreht, spielt Jan Böhmermann Schlagzeug in der Abendsonne am Strand, bevor er auf einem Triceratops durchs Bild reitet und die Show beginnt. Klingt wahnsinnig? Sicherlich. Ist genial? Auf jeden Fall!

So gibt sich die Show als Ansammlung von zahlreichen Einspielern, die durchweg alle ziemlich genial sind, bei denen teilweise aber auch gerne mal die Idee besser war als die eigentliche Umsetzung (ARD & ZDF Jugendkanal). Eine typische Late Night Show ist das Neo Magazin jedoch nicht. Hierfür scheint Böhmermann auch irgendwie nicht das Talent zu haben, wirken die handvoll Gags zu Beginn der Show irgendwie arg konstruiert, vorbereitet und so gar nicht spontan. Kann weg! Wahnsinn und Genialität ziehen sich wie ein roter Faden durch die gesamte Sendung und werden nur stellenweise gebremst. Fans wissen, Dönermann Janni ist nicht der typische Comedian, sondern macht “macht Unterhaltung für Menschen, die das Vokabular der Popkultur beherrschen und den Unterschied zwischen NSA und NSU kennen. Wer “Hashtag” für ein Rauschmittel hält und Cindy aus Marzahn gut findet, wird kaum Freude an der Show haben.” (danke liebe SPIEGEL!). Um genau diesen Humor umzusetzen, erhält er Unterstützung von der Bildundtonfabrik, die sich auch schon bei Roche & Böhmermann als Produktionsfirma die Ehre gaben. Mit deren Jungs und Mädels kennt der Wahnsinn keine Grenzen.

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Etwas mehr in Richtung Jugendfernsehen und „total social yolo swagig“ geht es bei der Interaktion mit den Studiogästen zu. Böhmermann konfrontiert einige seiner Zuschauer im Studio mit deren Geschichten, die er bei Facebook und Co. aufgestöbert hat. Als er eine Zuschauerin auf deren Auktion eines Buntglasfensters anspricht, ist diese sichtlich peinlich berührt und schweigt. Böhmermann möchte jedoch dringend noch den Gag zünden (er hat das Objekt selbst ersteigert) und führt die junge Frau nahezu vor. Alles sicherlich nicht böse gemeint, doch an dieser Stelle droht die Show ganz leicht aus dem Ruder zu laufen. Wieder einmal: Idee toll, Umsetzung dann „doch nicht sooo gut“.

Dennoch, bei den beiden eingeladenen Gästen macht das Neo Magazin wieder vieles gut. Eingeladen wurden Gina Lisa und Oliver Welke (endlich wieder ein tolles Vorstellungsvido!), erstere hauptsächlich um mit ihr auf einem Fake-Pony zu reiten. In der Totalen wird dieses von Mitarbeitern bewegt, die passenden Hufgeräusche mit klappernden Kokosnüssen erzeugt. Gina Lisa und Jan (ihre beste Freundin) sprechen über Jungs und das erste Mal. Das alles ist dermaßen verstörend, als dass man sich fragt, was das eigentlich soll, nur um dann festzustellen, dass dies eigentlich unheimlich genial ist. Der Grat auf dem Böhmermann wandelt ist schmal, sehr schmal, aber wenn man ihn mit ihm geht, hat man nach 30 Minuten Neo Magazin eine unglaublich kurzweilige und zugleich tolle Unterhaltung erlebt.  Fernsehen geht doch noch und 0,4 Prozent sollten doch irgendwie zu erreichen sein, oder?

Die Interviews im Allgemeinen kommen übrigens etwas arg kurz, weswegen ein paar Minuten dem Format sicher gut täten. Aber sei’s drum. Liebes Neo Magazin, du bist auf einem guten Weg!