Mit „Ballonherz“ bringt Olson diesen Freitag sein erstes Album auf den Markt. Natürlich sind die Erwartungen an den Wahl-Berliner immens hoch. Viele Fans schmeißen ihm vor, nicht mehr „real“ zu sein, da er sein Straßenimage abgelegt hat um sich fortwährend gut zu kleiden und gewählter auszudrücken. Doch kann man es einem Mittzwanziger, der sich selbst als „kein unfassbar rougher Typ“ beschreibt wirklich vorwerfen? Seit seinem letzten Release, einer Free-EP namens „40213“ ist einige Zeit verstrichen und nach dem auch er als Teil der neuen Reimgeneration seinen Hype nicht nutzen wollte steht nun sein erstes Album in den Startlöchern.

Der erste Track der Platte trägt den Namen „Mein kleines Hollywood“ und dürfte den meisten von euch schon bekannt sein, da dazu bereits ein Video veröffentlicht wurde. Der Song ist eigentlich wie eine Art Film aufgebaut: Zu Beginn ist alles langweilig, dann verliebt sich Olson in sein Nachbarsmädchen, die ihn aber „beim besten Willen nicht lieben will“ um sich dann im letzten Vers doch noch in ihm zu verlieben. Eine schöne Idee den Song wie einen typisch-amerikanischen Teenagerfilm aufzubauen und dennoch realitätsnah zu bleiben, da wohl jeder besagtes Problem, ob mit oder ohne Happy-End, kennt. „Der beste Moment“ stellt quasi das Sequel zu „Mein kleines Hollywood“ dar, da er hier mit seiner Liebe davon zieht um sich am Ende von ihr zu trennen. Man merkt bereits nach zwei Songs in welche Richtung das Album geht. Die Beats klingen poppig, die Hooks werden überwiegend gesungen und auch einige Verse werden eher gesungen als gerappt. In „Paris (Fernweh I)“ thematisiert Olson wieder die Langeweile der Heimat, die die Ferne so interessant und anziehend wirken lässt, also wieder ein Problem, welches viele Jugendliche (mich eingeschlossen) wohl kennen werden, wenn einem die Kleinstadt in der man lebt nicht mehr ausreicht. „Morgen vorbei“ ist in meinen Augen der mit Abstand beste Song des Albums. Der Beat ist einfach eine Wucht und auch das behandelte Thema ist schlichtweg zeitlos: Zeit verrinnt unfassbar schnell und deswegen klammern wir uns an die schönen Momente die wir erleben, nicht wissend wann die Momente vorbei sind.

„Und so schrei’n wir’s heiser in dieses Schwärze rein,
Alles was wir wollen ist ein kleines bisschen Unsterblichkeit, yeah
Denn die Zeiger, sie rasen im Kreis und auf einmal sind Jahre vorbei
Und du platzt in mein Leben und ich platz‘ in dein Leben“ – Olson, Morgen vorbei

Olson_LA_Mai_2014_c_Brecheis_1324Der Song „Flugmodus“ ist meiner Meinung nach der größte Ausreißer des Albums, denn klanglich hätte man das eher abgehakte nicht erwartet. Textlicht dreht sich das Stück um die Angewohnheit vieler Jugendlicher einfach mal abzuschalten und alle „wichtigen“ Dinge, wie ungezahlte Rechnungen oder andere Probleme einfach auszublenden. Man lässt also nichts von außen an sich heran, so wie Handys die im Flugmodus sind und keine Signale mehr empfangen/senden. Der letzte Song des Albums, „Feuerwerk“ ist eine Art Retrospektive auf den Weg der Olson in die Gegenwart gebracht hat. Hier reflektiert er auch seine eigenen Fehler und wirft sich seine eigene Überheblichkeit vor. In meinen Augen ist das eine große Stärke, wenn man in der Musik auch seine eigenen Fehler anspricht!

„Hauptsache Gästeliste, Hauptsache Freigetränke
Traum dieser Randombitches, ich bin der Geilste, denk‘ ich
Verlor so langsam den Bezug, verdammt
Doch dann kamst du, verdammt
G’rade noch mal gut gegang'“ – Olson, Feuerwerk

Mit „Ballonherz“ hat Olson ein durchaus gelungenes Debut hingelegt.Für Fans des roughen Olsons ist diese Platte wohl eher nichts, aber wer „40213“ mag wird „Ballonherz“ lieben. Es ist nämlich die logische Konsequenz eines gereiften Menschens, der sich trotz Imagewechsel selbst treugeblieben ist und eine Platte produziert hat, hinter der er steht. Und somit ist Olson auf einem sehr guten Weg im Mainstream anzukommen und sich selbst in der kunterbunten Raplandschaft fest zu etablieren.