Path of Exile: LogoDiablo 3 und Torchlight 2 heißen die Hack ’n‘ Slays zwischen denen sich Spieler entscheiden müssen, wenn es darum geht ihren unwiderstehlichen Drang nach Looten und Leveln zu stillen. Doch bereits seit einiger Zeit beobachten Liebhaber des Generes einen recht unscheinbaren Konkurrenten: Path of Exile.

 

Das Spiel befindet sich nun seit dem 23. Januar dieses Jahres in der Open Beta, was heißt, dass jeder in die geheimnisvolle und brutale Welt von Wraeclast abtauchen kann. Entwickelt wird es von Grinding Gear Games, einem neuseeländischem Team, das sich dem Trend zum Casual Gaming widersetzt und ein komplexes, tiefgreifendes und erwachsenes Spiel hier aufbauen möchte. Das Spiel, welches so noch nicht in seiner vollendeten Form vorhanden ist (Stand 21.2.13: Version 0.10.1c), finanziert sich durch Mikrotransaktionen, welche laut Entwickler rein kosmetischer Natur oder Luxus sind. Das wird auch in Zukunft so bleiben, da es auch nach der Beta Free to Play bleiben wird.

Erst nicht so interessiert, aber dann doch von einem Freund überzeugt hab ich’s mir mal runtergeladen (ca. 5 GB) und angespielt. Hier möchte ich euch kurz vorwarnen: Das hier ist KEIN Test, lediglich ein erster Eindruck oder eine Vorschau, da ich weder den kompletten Content bisher entdecken konnte und das Spiel sowieso noch fern der Fertigstellung ist. Was ich bekommen hab, hat mich wirklich überrascht: Da ich sonst eine tiefe Abneigung gegen Fantasy ohne Bezug zur Realität (ja, ich weiß, das klingt paradox) hege, hat mich auch die Story von Torchlight 2 einen feuchten Schmu interessiert. „Ooooh, bitte rette den/die Wächer der Luft/Wasser/Erde/Feuer. Ohne sie ist ALLES verloreeeen!!“

Zurück zu Path of Exile. Es wirft einen als Verstoßenen, Verurteilten, Verbrecher oder Verratenen auf einen Kontinent welcher nichts außer Tod zu bieten hat. Das Artstyle ist dunkel, mit vereinzelten Blutflecken und fern vom Cartoon. Die Probleme die die Bewohner der Insel plagen sind nachvollziehbar, anfangs ist die Atmosphäre wirklich dicht, wobei ab Akt 2 das Spiel für mich etwas nachlässt, da es doch wieder in Stereotypen verfällt, was aber dem genialen Item und Skillsystem kein Abbruch tut; niemand hat bisher ein Hack ’n‘ Slay wegen der Story gespielt.

Kurz darauf bin ich beim Versuch in besseren Momenten die Druck-Taste zu drücken gestorben. :(
Kurz darauf bin ich beim Versuch in besseren Momenten die Druck-Taste zu drücken gestorben.

Ich habe zusammen mit meinem Kumpanen bis Level 28 gespielt, er einen Templer, eine auf Stärke und Intelligenz ausgelegte Klasse, welche mächtige magische Angriffe nutzen kann, aber ebenso viel aushält und ich einen „Shadow“, einen Schurken, welcher mit Klauen durch das Angreifen hochheilen kann und mit Dolchen dicke Crits im Nahkampf, aber auch mit magischen Angriffen (die Bonus-Critchancen auf den Dolchen sind global, also auch alle Skills betreffend) den Gegnermassen ordentlich zusetzen kann. Jap, Co-op gibts also, ebenso Städte in denen man auf andere Spieler treffen kann, einen globalen Allgemeinchat und einen Handelschat (welche nach belieben ein- und ausblendbar sind). Die Gebiete mit den Monstern außerhalb der Städte sind jedoch instanziert, also spielt es sich doch, wenn man es möchte, wie jedes andere gewöhnliche Hack ’n‘ Slay auch. PvP ist bereits vorhanden (welcher wirklich Spaß macht und taktieren erfordert) und es sind außerdem Ligen geplant, welche Spielern erlauben sich mit anderen in Speedruns oder anderen Herausforderungen zu messen und wertvolle Ingame-Gegenstände zu gewinnen.

Nun aber zu den echten Besonderheiten: Die Items, die Skill-Gems und der passive Skilltree.

Das echte Highlight ist der 1350 Skill-Nodes umfassende Skilltree. All diese Skills sind passiv, seien es nun +10 Intelligenz, +6% auf Angriffsgeschwindigkeit, 2% des zugefügten physischen Schadens zurück als Mana oder spezielle „Keystone“-Skills, welche die Art, wie man seinen Charakter spielt zum Teil völlig verändern. Vorraussicht und Planung ist hier gefragt, aber man kann auch viel experimentieren: Der Skilltree umfasst alle Klassen, welche nur jeweils andere Startpositionen in diesem besitzen. Stöbert einfach mal rein und lasst eurer Fantasie freien lauf, alles ist möglich!

path_of_exile_skilltree
Hier ein möglicher Skilltree für einen Schurken mit Hang zur Magie

Da es nun keine Skills im herkömmlichen Sinne zu erreichen gibt, gibt es stattdessen Skill-Gems und dazugehörige Support-Gems: Aktivierbare Skills sind Juwelen, welche ihren eigenen Erfahrungsbalken besitzen und gelevelt werden wenn sie in Ausrüstungsgegenständen eingebettet sind. So kann man dann auch auf sie zugreifen und sie anwenden. So werden sie auch mit der Zeit besser. Die dazugehörigen Supportgems fügen spezielle Effekte zu den Skills hinzu (zusätzlicher elementarer Schaden, größerer Area of Effect, etc.), sollten sie in entsprechenden Sockets eingesetzt sein, die mit dem Socket des dazugehörigen Skills verbunden sind. Das ist aber besser auf der offiziellen Seite erläutert.

Die Items schlussendlich reichen von weiß, wie gewöhnlich über blau (magisch) über gold (selten) zu orange (einzigartig). Die Währung in dem Spiel ist nicht Gold sondern benutzbare Gegenstände wie Steine die mehr Attribute zu einem Ausrüstungsgegenstand hinzufügen, sie verbessern, modifizieren, etc. Diese können beim Händler aber auch für Ausrüstung eingetauscht werden und Loot kann für diese auch wieder verscherbelt werden. Diese „Orbs“ kommen in allen Formen und Funktionen, wodurch man theoretisch sogar seine perfekte Waffe schmieden könnte.

Ich könnte euch noch eine Menge vom Pferd erzählen (hoho), aber seht es euch selbst an, es ist kostenlos und auf jeden Fall einen Versuch wert! Ich werde noch weiterhin zocken und denke, dass wenn die Entwicklung weiterhin so gut läuft wie bisher (für eine Beta ist das Spiel ungewöhnlich gut poliert), kann dieses Spiel eine ernsthafte Bedrohung für die Könige auf dem Thron dieses Generes darstellen.