Man muss sich schon fast als Spiel-Kulturbanause bezeichnen, wenn man noch nie von „Pflanzen gegen Zombies“ gehört hat. PopCaps nur über das Internet erhältliche Spiel erschien 2009 und heimste einige gute Kritiken ein – und das trotz der eigentlichen Einfachheit. Das Tower-Defense-Spiel bestach aber gerade durch diese  und schaffte sich durch einen der wohl niedlichsten Spielelooks aller Zeiten eine große Fan-Gemeinde. Es folgten Ableger fürs Smartphone und der zweite Teil allein konnte sich in nur zwei Wochen seinen Platz auf fast 25 Millionen mobilen Geräten sichern. Da schien es ganz logisch, dass der Siegeszug der verteidigenden Flora und hartnäckigen Zombies da noch kein Emde finden sollte. Dennoch waren viele da schon ein wenig skeptisch, als PopCap, die Macher hinter dem charmanten Tower-Defense-Spiel, gemeinsam mit Electronic Arts ankündigten, ihr Franchise um einen Third-Person-Shooter zu erweitern. Doch das, so meinen wir, völlig zu unrecht. Plants vs. Zombie funktioniert nicht nur durch seine Einfachheit, sondern auch um eines ambitionierter in einem völlig anderen Genre – und das mindestens genauso lustig. 

Plants vs. Zombies Garden Warfare nennt PopCap seinen Sprung ins Shooter-Genre für Xbox 360, Xbox One und jetzt seit kurzem auch für den PC. Und der große Unterschied macht sich hier auch gleich bemerkbar. Anders als der kleine, beliebte Bruder ist „Garden Warfare“ nämlich kein Tower-Defense-Spiel, sondern ein richtig Shooter, mit heutzutage genretypischer Klassenauswahl, Aufstiegsmöglichkeiten und verschiedener Waffen gegen den Feind. Doch anders als in Call of Duty oder Battlefield geht es hier nicht martialisch und ernst, sondern ganz im Gegenteil bunt, lustig und quirlig zu. Überall verbergen sich in „Garden Warfare“ lustige Details. Unsere verschiedenen Klassen wie die Sonnenblume, eine Art Heiler, statten wir da gerne mal mit einer passenden Sonnenbrille aus oder ziehen ihr eine Maske auf. Und auch den Zombies verpassen wir coole Brillen oder Hüte. Alleine die Beschreibungen der einzelnen Spielmodi sind eine Klasse für sich, und genug Beweis dafür, dass sich die Entwickler mit ihrem Spiel trotz Genresprung nie zu ernst nehmen und auch in Garden Warfare „einfach anders“ sind.

Plants-vs-Zombie-Garden-Warfare-3Verschiedene Spielmodi für jeden Geschmack

Und da wären wir auch schon, die Spielmodi. Garden Warfare bietet uns da nahezu für jeden Shooter-Geschmack das richtige und trotz Online-Auslegung könnt ihr dabei auch solo unterwegs sein. So gibt’s im sogenannten „Gartenkommando“-Modus das noch am ehesten an das Original-Spiel erinnernde „Plants vs. Zombie“, in dem ihr mit einem Team aus Pflanzen (andere Online-Spieler oder ihr eben allein) gegen computergesteuerte Horden von Zombies ankämpfen müsst. Hier verteidigt ihr eure Gärten auch (ganz klassisch) mit Hilfe von Topfpflanzen, die ihr vielerorts aufstellen könnt. Sonnenblumen werfen dann Heilenergie ab, Frostpilze verlangsamen Gegner und die Pea-Gatling dezimiert die Zombie-Reihen. Dank dieser Mechanik könnt ihr euch nicht nur recht effizient verschanzen, sondern auch Schwachstellen in eurer Team-Zusammenstellung ausgleichen. In den insgesamt 10 Wellen warten dann auch ein paar Bosse auf euch. Die erfordern jedoch nicht unbedingt eine gewisse Taktik, sondern stecken einfach mehr ein.  Der Modus eignet sich für eine schnelle Runde zwischendurch, bietet aufgrund der wenigen Karten (5 verschiedene Maps) aber nicht unbedingt die gewünschte Langzeitmotivation.

Ähnlich kurzweilig ist auch der Teamsieg-Modus. Hier gibt’s den genretypischen Kampf mit insgesamt 24 Spielern in zwei Teams, und ihr könnt auch in die schrumpelige Zombie-Haut schlüpfen und die heimische Flora aufs Korn nehmen. Die Maps hier sind überwiegend ausgeglichen, ganz schick und der Kampf mit den ganz unterschiedlichen Klassen ist nett. Ein bisschen anspruchsvoller gibt sich aber der dritte Modus: Garten und Friedhöfe. Hier versuchen Zombies verschiedene Punkte (beispielsweise einmal die Villa von Pflanzenliebling Crazy Dave) einzunehmen und die Pflanzen zurückzudrängen. Eine Partie hier dauert gerne mal eine halbe Stunde, und bietet jede Menge Abwechslung. Um die verschiedenen Punkte als Pflanzenspieler zu verteidigen, könnt ihr ähnlich wie im „Gartenkommando“-Modus Topfpflanzen aufstellen und euch schützen. Gleiches gilt aber auch für die Spieler der angreifenden Zombies, die an gewissen Stellen (Gräbern)  KI-gesteuerte Zombies auferstehen lassen können. Wird einer der Punkte von den Untoten erobert, lassen sich die Gewächse zurückfallen und verteidigen den nächsten. Gegen Ende einer jeden Runde gibt’s am letzten Punkt der Pflanzen dann immer einige Besonderheiten wie vom letzten Eroberunsgspunkt her rollende, riesige Bowlingkugeln, die die Zombiehorden drohen zu zerstören. Wie in einem Minispiel gilt es für die Angreifer dann hier auszuweichen, und das Zombie-Resthirn zu schützen. Super Idee!

Klasse Klassen

Plants-vs-Zombie-Garden-Warfare-2

Auch bei Zombies muss unterschieden werden, denn nicht ein jeder Knochengänger und Hirnfresser ist gleich. Ein Football-Zombie stürmt leidenschaftlich Pflanzen an und befördert sie auf den Kompost, der Wissenschafts-Zombie nimmt all das Resthirn zusammen und tüftelt an genialen Idee zum Heil-Support seiner Kollegen und der Fußsolodat-Zombie mimt den normalen Soldaten und genießt per Jetpack den Blick von oben. Entwickler PopCap muss hier großen Spaß gehabt haben bei der Weiterentwicklung seiner traditionellen Zombie-Typen, denn die haben es genau wie die Pflanzen richtig drauf. Auch die beweisen beispielsweise als Kaktus-Klasse das Talent zum Scharfschütze, fungieren in Gestalt der bereits erwähnten Sonnenblume als Heiler für die Gruppe und werden als fleischfressende Pflanze zum Tunnelgräber und Zombie-Verspeiser. Die Klassen in Plants vs. Zombie Garden Warfare sind das ideale kindliche, quirlige und urkomische Pardon zum Sturmsoldaten, Medic und Scharfschützen in Spielen wie Battlefield und Co. – das aber um einiges lustiger.

Erfrischend Mikrotransaktions-frei

Jede Klasse kann aufgerüstet werden und das nicht nur kosmetischer Natur über die angesprochenen Accessoires wie Brillen und Hüte, sondern auch mit Fähigkeiten. Diese könnt ihr im Laufe des Spiel über den Kauf von Stickern erlangen. Wie bei einem Sammelkartenspiel könnt ihr im sogenannten „Sticker-Shop“ Kartenpacks verschiedener (Preis-)Kategorie erweben und so Teile von neuen Klassen-Erweiterung aber auch Fähigkeiten-Upgrades, Gimmicks oder neue Topfpflanzen erwerben. Hobby-EA-Kritiker („diese Geldgeilen!!11elf“) scharren schon mit den Hufen und wollen losbrüllen, doch halt: Bislang ist hier nicht die Rede vom Echt-Geld-Kauf jener Ingame-Items. Diese können nur über im Spiel gesammelte (Durch Abschüsse, Abschließen von besonderen Herausforderungen etc.) Münzen gekauft werden.

Fazit

Was bleibt schlussendlich zu sagen? Plants vs. Zombie widerlegt die anfängliche Skepsis in Gänze. Der neue Shooter-Ableger des Franchises besticht nur kreative Ideen, quirlige Klassen uns eine witzige Spielwelt. Es macht auch in Third-Person jede Menge Spaß Zombies (oder eben auch Pflanzen) den Gar auszumachen. Die Spielmodi bieten viel Abwechslung und sind ein toller Zeitvertreib. Insgesamt wirkt das Spiel anfangs aber etwas überladen und trotz spielerischer Heranführung (Schöne Tutorial-Videos zu den Fähigkeiten der Klassen) dauert es eine Weile, bis man sich zurechtgefunden hat. Garden Warfare möchte sich nicht messen mit den großen im Shooter-Universum aber bietet eine geniale Abwechslung zu eben jenen. Was den Spielspaß jedoch etwas nimmt, sind (zumindest aktuell noch vorkommende) Bugs wie das Verschwinden des Mauszeigers, Probleme beim Ausschalten des Voice-Chats (ständiges Gebrabbel der Spielpartner nervt…) und der ein oder andere Cheater, der einem schon kurz nach Release begegnet ist.. Bekommen die Entwickler das noch in den Griff und liefern versprochenen Content wie neue Klassen regelmäßig nach, ist Garden Warfare das tolle Party-Spiel für zwischendurch und ergänzt das Franchise zufriedenstellend.

Vielen herzlichen Dank an Electronic Arts Deutschland für die Möglichkeit zum Testen und das Vertrauen und vielen Dank auch an Carol (14)  für ihre Hilfe beim Testen!