Zwei Jahre lies der Prinz sich Zeit ein neues Album (abgesehen von „Hallo Musik“) zu veröffentlichen. Zwei Jahre lang tüftelte er also an seinem Kompass ohne Norden. Doch ist er den hohen Erwartungen gerecht geworden?

Ich muss sagen, dass ich mich im Vorfeld tierisch auf das Album und die ganze Box gefreut habe und deswegen meine Erwartungen an Prinz Pi immens hoch waren. Ich möchte zunächst auf den Umfang und die Qualität der Box eingehen, anschließend dann auf das Album als solches.

Prinz-Pi-Kompass-ohne-Norden-Premium-EditionDie Box ist etwas kleiner als ich sie erwartet habe und wird von einem Pappschuber geschützt. Nach dem Aufklappen der eigentlichen Box sieht man gleich das „Kompass ohne Norden“-Shirt auf welchem die CD mit den Instrumentals liegt. Leider ist diese nur in eine simple Plastikhülle gepackt statt in ein eigenes Case. Das Shirt ist navyblau und trägt das Artwork des Albums. Unter dem Shirt befanden sich dann sechs Sticker und eine hanindsignierte Autogrammkarte mit Bild von Friedrich Kautz, so Pis bürgerlicher Name, und einer Art Wasserzeichen. Danach fand ich direkt das Highlight der Box: ein 160 Seiten starkes Logbuch. In diesem Buch befinden sich viele Bilder, Illustrationen, eine Danksagung und viele weitere interessante Einblicke. Das Buch ist, wie eigentlich die ganze Box, von sehr hoher Qualität und für einen Pi-Fan wäre dieses Buch auch abseits der Box sein Geld wert. Unter dem Buch befand sich dann letztlich das Album inklusive Live DVD mit Interviews. Der Berliner hat sich nicht lumpen lassen und serviert uns das Album in einem eleganten schwarzen Leinenschuber. Warum schwarz? Weil es einen Fehler bei der Produktion gab. Man kann also sagen, dass alle die den schwarzen Leinenschuber haben, quasi eine limitierte Limited Edition haben!

Nun kommen wir zum Album an sich: Die Limited Edition hat die 13 Standardsongs und zwei Bonussongs („Schiefe Pyramiden“ und „Dumm„). Das Album beginnt und endet mit einem kleinem Feuerwerk, welches, so Pi, für den Anfang und das Ende steht. Der erste Track des Albums trägt den Titel „Fähnchen in Wind„. Dieses Lied thematisiert die vielen ersten Male, die für die Jugendlichen meistens in den Ferien beginnen. Die nächste Anspielstation trägt den Namen „Moderne Zeiten“ und ist meiner Meinung nach der stärkste Track des Albums. Der Beat erinnert stark an den von „Unser Platz“. Der Text befasst sich mit den Trends unserer Jugend wie zum Beispiel Twitter, dem Retrotrend á la Instagram und der täglich sichtbaren „Likegeilheit“ auf Facebook. Auch die Beziehungen haben sich durch die modernen Medien verändert. Und alle außer man selbst sind Hipster! Es gibt natürlich noch weitere sozialkritische Tracks wie zum Beispiel „Rost„, welcher vom Standortwechsel mehrerer deutscher Unternehmen nach Asien handelt und viele Leute ihre Arbeitsplätze kostet.

„Was ist ein Arbeiter ohne Arbeit – nur noch ein er.
Die Hallen sind leer, Schweigen liegt auf den Straßen mit dem Teer“ – Prinz Pi, Rost

Weitere kritische Lieder sind „Dumm“ und „Säulen der Gesellschaft„. Ersteres Lied handelt von der Naivität und Einfachheit vieler Menschen, die man so einfach glücklich stellen kann. Zweiteres erzählt mehrere Kurzgeschichten, die letztlich darauf hinauslaufen, dass ja alle ihren Platz in unserer Gesellschaft haben, diesen nicht hinterfragen solange alles glatt läuft. Der Bonustrack „Schiefe Pyramiden“ ist eine Art Rundumschlag. Er richtet sich gegen Leute die Statussymbole wie Apple und Mercedes brauchen. Auch gegen die Leute die nach dem zweiten Weltkrieg und nach Mario Barth sagten, dass sie nie mitgemacht haben.

„Ja, wir Deutschen und unsere sklavische Art
Keiner hat damals mitgemacht
Keiner hat mitgelacht
Aber sowohl Hitler als auch Mario Barth
Haben beide das Olympiastadion vollgemacht“ – Prinz Pi, Schiefe Pyramiden

Dadurch, dass er sagt, dass die beste Review sein Autopsiebericht wird, weil man endlich die inneren Werte von Pi bespricht, richtet er sich auch gegen uns, da wir ja gerade eine Review zu seinem Album verfassen. Egal, der Prinz darf das! Der Bielefelder Rapper und Pis guter Kumpel Casper ist das einzige Feature auf diesem Album. Auf dem Track „100x“ legen beide ihre Liebe zur Musik dar und reflektieren, dass die Musik damals doch richtig gut gewesen ist. Warum gerade Casper mitwirken durfte erzählte der Prinz in einem der unzähligen Interviews zu dem Album. Cas war einer der wenigen Leute, denen er sein Album zeigte und als er den Beat zu „100x“ hörte meinte er, dass sie den zusammen machen sollten. Pi willigte ein. Was die vielen alten Prinz Porno Fans vielleicht ein wenig erfreuen könnte ist der Song „Die Letzte Ex“ der eine Art vierter Teil der Bonnies Ranch Reihe darstellt. Denn Pi will, wenn […] es keinen Ausweg gibt […] nur noch zurück, zurück nach Bonnies Ranch. Zur Erklärung: Bonnies Ranch ist die Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik in Berlin. Dieser Track geht thematisch etwas in die Richtung wie „Unser Platz„, der auch von einer Art Auszeit handelt, die die Pärchen an ihrem Platz finden. Dieses Lied ist eine sehr schöne Ballade für Pärchen. Für Pi war dieser Platz, so steht es im Logbuch, der Berliner Schlachtensee. An diesem Platz traf er sich mit seinen Kumpels, hatte seinen ersten Kuss und begann das Rappen.

„Wenn ich dabei an das uns danke, denke ich also nicht an eine Person — sondern an etwas Abstraktes – die Musik“ – Prinz Pi, Kompass Ohne Norden Logbuch

Fazit:
Prinz Pi liefert mit „Kompass Ohne Norden“ ein Album welches jeglichen Erwartungen gerecht wird. Es ist wohl eines seiner persönlichsten Alben. Und eben jene persönlichen Texte passen wie geschneidert auf die melodischen und streckenweise emotionalen Beats. Das Album ist zudem extrem stimmig, da eigentlich kein Song so wirklich aus dem Schema herausfällt, abgesehen von einem der Bonustracks, „Schiefe Pyramiden“ dessen Beat komplett anders ist. Ob es sein bestes Album ist? Vielleicht. Ich bin mir da nicht sicher, aber falls doch, dann zusammen mit „Teenage Mutant Horror Show 2“ obwohl man die beiden Alben nicht vergleichen kann. Ich persönlich fand „Rebell Ohne Grund“ schon gut, aber „Kompass Ohne Norden“ wirkt noch reifer, klingt noch schöner. Pi hat ja schließlich keine Kosten und Mühen gescheut und sich das Equipment gekauft bzw. zusammengebaut welches er für perfekt hält. Also allein das beweist wie viel Herzblut er in dieses Projekt gesteckt hat. Natürlich wird es vielen Porno-Fans nicht gefallen. Aber man kann es niemals allen Recht machen. Also stürmet zu Haufe gen Musikhändler und gönnt euch dieses Meisterwerk!

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