Vor circa einem Monat musste ich mich zwecks Platzmangel auf meinem Smartphone von etlichen Alben trennen. Um mich in die Marterie reinzuhören, ließ ich nur Rockstahs „Pubertät“ verschont. Am Anfang dachte ich mir wirklich noch, dass ich wohl eine Art Rotation einführen muss, da ein einziges Album auf dem Handy wohl relativ schnell langweilig wird. Stand heute befindet sich auf meinem Handy noch immer nur ein Album: Pubertät von Rockstah. Und das liegt nicht an meiner Faulheit, sondern an der Vielfalt dieses Albums. Die Thematik ist nämlich breit gefächert: Das fängt bei Melancholie an, geht rüber zu Misanthropie, stoppt bei Liebe und endet bei Wünschen. Dennoch: Wenn jemand nun denkt, hier würde ein roter Faden fehlen, dann liegt er falsch.

Der Opener des Albums ist gleichzeitig der Namensgeber, „Pubertät„. Zunächst: wenn ihr das Lied zwei Mal hintereinander hört, entwickelt ihr eine ziemlich große Abneigung gegen das Wort „mit. Mit..klingt schon komisch. Zurück zum Thema: Der Track hat einen sehr knalligen Beat, der direkt im Kopf hängen bleibt. An dieser Stelle muss man erwähnen, dass vor allen Dingen das Video jedem Michael Bay Actionfilm Konkurrenz macht! Der Song an erster Stelle stellt auf jeden Fall die Weiterentwicklung Rockstahs dar. Aber Nichtsdestotrotz ist Rockstah immer noch im Herzen ein Kind, was man vorallem im Song „Astronaut“ erkennt. Denn in diesem Track geht es auf der einen Seite um die Angst vor dem Erwachsenwerden und auf der anderen Seite um Kindheitswünsche. Außerdem geht es darum, noch irgendwie, die Überreste seiner Kindheit in Ehren zu halten. Für mich ist „Astronaut“ ganz klar eines der (vielen) Highlights! „Die kleinste Sekte der Welt“ stellt wiederum eine der passendsten Metaphern für Beziehungen dar, die ich je gehört habe. Bei Verliebten Leuten dreht sich alles um sich selbst, man steht zu Zweit gegen den Rest der Welt. Man hat seine Insider und hängt mit einander ab und kann – vor allem – man selbst bleiben! Das alles

rocjstah

verpackt Rockstah in „Die kleinste Sekte der Welt“. Unterstrichen wird das Ganze durch einen rockigen Beat und viele passende Gaming-Bezüge. „Auftrag – Verschwende deine Jugend“ stellt quasi ein Résumé seiner eigenen Jugend dar: Zunächst die langsame Abkapselung von Daheim, dann den Beginn einer kleinen Rebellion. Dieser Aufstand war aber in der jugendlichen Faulheit zum Scheitern verurteilt. In Rockstahs Augen wurde der Auftrag der verschwendeten Jugend erfüllt. Die Thematik dürfte gerade Leute (wie mich), die mit der Schule fertig sind und jetzt in der letzten freien Zeit nicht wissen was sie anstellen sollen, ansprechen. Im Übrigen stellt der Song (und auch das Cover des Songs im Booklet) eine Hommage an die Ärzte dar. In „König Außenseiter“ geht es darum, dass Max (Rockstahs bürgerlicher Name; d. Red) schon immer ein Außenseiter war. Auch seine grimmige Ader kann er hier sehr gut ausleben. Ein Beispiel gefällig?

„Blick auf deinen Sportplatz, ich steh da im Tor
Steche euren Ball platt, jeder hat verloren
Geh allein ins Kino, werfe mit dem Popcorn
Hab ich keine Freundin sind alle Pärchen opfer
Bin der Ganzjahres-Grinch, klaue Ostern und Silvester
So real, tipp‘ mit Mittelfingern die Texte“ – Rockstah, König Außenseiter

Und als würde das nicht sowieso schon reichen für einen Song mit Hit-Potenzial gibt es dazu noch einen Cheerleader-Chor, der „King Martin Rockstah“ preist. Einfach super! Des Weiteren hat sich Rockstah in „Brennende Stadt (Ein Weltuntergang Pt. 1)“ und „Der Wal (Ein Weltuntergang Pt. 2)“ auch mal in Sachen Storytelling bemüht – und das durchaus positiv! Beide Tracks haben sehr ansprechende, idyllische Melodien. Im Ersten Teil erzählt Rockstah uns von den letzten Stunden mit seiner Liebsten vor dem Weltuntergang. Er stellt es als das beste Date dar. Im zweiten Part ist die Welt dann bereits untergegangen. Hand aufs Herz: Der letzte Track des Albums, „Superheldenanzug“ ist das mit Abstand Beste, was ich dieses Jahr bis jetzt gehört habe! Super catchige Hook, Selbstironie und sehr viele Bezüge auf Superhelden. Per-fekt! Auch das Video dazu ist einfach genial.

„Nerdy Terdy Gang, die sind fast wie die X-Men
Denn deren Anführer ist auch krass behindert“ – Rockstah, Superheldenanzug

Zusammenfassend muss man sagen, dass Rockstah bei dieser Platte und der ganzen Promo dazu wirklich 100% mit Herz dabei war. Alleine wenn man die Track-by-Track-Serie betrachtet merkt man das. Das ist definitiv Rockstahs beste Leistung bis jetzt. Grandios!