kolumne-soziale-netzwerke-prognoseEin Kommentar von Michael Piegza

Chatten, teilen, liken, kommentieren, markieren. Das Phänomen der sozialen Netzwerke hat die Meisten erreicht und an enormen Einfluss gewonnen. Für die einen ist „Social Networking“ ihr Leben, für die anderen ihr Untergang; und für wiederum andere führt das eine zum anderen. Das Angebot ist breit und die Nutzungsmöglichkeiten vielfältig. Vom blauen Magnaten Facebook über Google+ weiter zu Skype und schließlich zur Videoplattform YouTube, der man inzwischen ebenfalls ein „social“ in den Namen drücken könnte.

Neben diversen Größen gibt es auch immer mehr private Foren und Netzwerke, die ihren Fokus auf ein ganz bestimmtes Thema legen. Sie alle bieten vielfältige Möglichkeiten an, doch im Grunde geht es immer um das Selbe: Kommunikation.
Doch wie sehen unsere Kommunikationsmöglichkeiten in 10 Jahren aus? Gemessen an den rasanten Neuentwicklungen in den letzten Jahren scheinen die Möglichkeiten vielversprechend. Das betrifft sowohl den technologischen Fortschritt, als auch den wachsenden Andrang ständig in Verbindung zu bleiben.
Inzwischen kann man seine Lieben ständig um sich haben. Die ganze Familie in einem Videochat, den sie alle unabhängig vom jeweils anderen betreten haben. Dank unserer Smartphones und zugehörigem Internetzugang könnten wir immer und überall mit allen gleichzeitig in Verbindung bleiben. Egal ob auf dem Arbeitsplatz, vom anderen Ende der Welt oder vom Stadtpark aus. In der Theorie ist man also nie wieder allein, nie wieder getrennt von denen, die einem wichtig sind. Was fehlt denn dann noch? Schließlich kann man sie sehen und mit ihnen sprechen? Richtig, sie sind noch nicht berührbar. Wenngleich die Vorstellung futuristisch sein mag, gemessen an den rasanten Entwicklungen der letzten Jahre ist „Virtual Reality“ vielleicht nicht einmal so fiktional, wie es erscheint?
Die Vorstellung bringt die Kreativität zum florieren. Man trifft sich in einem frei begehbaren Raum, kann miteinander interagieren und Unternehmungen starten. Das alles bequem von zuhause aus! Und natürlich kann den Partizipierenden auch nichts geschehen, da sie ja nicht wirklich vor Ort sind. Ihr Äußeres können sie nach Belieben gestalten und verändern, die Möglichkeiten sind grenzenlos. Wem die Auswahl nicht gefällt, der kann sich im Shop des Netzwerkes zusätzliche Accessoires gönnen. Google Street View meets The Sims. Wer muss denn dann noch vor die Haustür treten? Möglicherweise etwas, das sich realisieren ließe. Inwiefern Netzwerke ihre dominante Rolle im Sozialleben der Nutzer ausbauen, hängt von den Angeboten der Netzwerke und dem Interesse der Nutzer ab.

Aber genug von den Möglichkeiten, die die Technik uns offenbaren könnte. Werfen wir einen Blick auf die Entwicklung der eigentlichen Netzwerke. Durch die enorme Anzahl existierender Plattformen ist der Druck ein eigenes System zu entwickeln natürlich höher. Was ist nah an den Menschen? Was einfach zu bedienen? Wie sprechen wir wen an? Und ganz besonders, wie finanzieren wir uns?
Der Konkurrenzkampf ist ständig gegeben. Wie überlebt das Netzwerk? Welche Zielgruppe spricht es an? Wie spricht es diese Gruppe am lukrativsten an und hält sich damit über Wasser? Außerdem gilt es mit den anderen mitzuhalten, sodass man nicht in Vergessenheit gerät.

Wer seinen Kreis an Nutzern hat, der wird sich an diese klammern. Schließlich sind sie nicht grundlos bei diesem einen Netzwerk angemeldet. Die perfekten Untersuchungsobjekte für die Marktforschung. Da gilt es: Daten sammeln, um wirtschaftlich erfolgreich zu bleiben. Was will der moderne Mensch? Oder: Wie überzeuge ich ihn, dass er genau das will, was ich ihm biete?
Neben der Auswertung der persönlichen Daten zu reinen Forschungszwecken muss das Unternehmen beizeiten natürlich auch an sich selbst denken. Da kommen eben diese Daten doch gerade wie gerufen. Persönliche, auf die eigenen Vorlieben zugeschnitte Werbung ist die altbewährte Methode.
Nehmen wir nun einmal an, das würde nicht mehr ausreichen. Was dann? Muss der Nutzer dann dafür bezahlen, dass seine Daten nicht ausgewertet werden? Eine Auswertung kann selbstredend nur erfolgen, wenn Daten angegeben wurden. Somit werden alle essenziellen Daten wie Wohnort, Ausbildung, Lieblingstier und -farbe vorher zu Pflichtfeldern. Wer nichts angibt, kommt nicht ins Netzwerk. Es sei denn, er hat bezahlt.
Ein anderes Zukunftskonzept könnte das Tarifswesen sein. Wer kommunizieren will, muss zahlen. Schließlich hat man damals auch Briefmarken kaufen müssen, wenn man seinen Verwandten schreiben wollte.

Einige Anbieter ebnen bereits den Weg in diese Richtung. So zum Beispiel WhatsApp, die eine geringe Gebühr für den sonst kostenfreien Messenger verlangen. Androidnutzer erfreuen sich an einem kostenlosen Jahr und werden dann für weitere Nutzungszeit zur Kasse gebeten.
Wenn man den Blick auf andere Medien wirft, dann sieht man dort ähnliche Muster. So auch in der Videospielindustrie. Windows hat seit der XBox 360 eine Gebühr für seinen Onlineservice verlangt, Sony führt diese Gebühr mit der kommenden Konsole ebenfalls ein.
Videospiele und soziale Netzwerke sind zwar nicht unbedingt zu vergleichen, aber in beiden Bereichen geht es um das Miteinander. Und wenn wir schon dafür zahlen dürfen, damit wir gemeinsam ein Spielchen spielen, warum dann nicht auch um miteinander sprechen zu dürfen? Solche Gebühren gibt es bereits beim Festnetztelefon, Fernsehen, Radio, Internet- und Mobilfunkanbieter. Sie sind vollkommene Normalität. Liegt es da nicht nahe, dass sich derlei Kosten auch in sozialen Netzwerken manifestieren, wenn die Werbung nicht mehr ausreicht? Das wird sich zeigen.

Michael ist neuer Autor bei medienoderso.de. Auf seinem eigenen Blog gibt’s Lyrik pur! Wenn auch Du ein Teil von medienoderso.de werden willst, bewerbe dich jetzt