Vor ziemlich genau zwei Wochen releaste Kanye West sein neustes Album „The Life of Pablo“. Für viele Leute wird es trotz des frühen Veröffentlichungsdatums das meisterwartetste Album des Jahres sein. Erst „So Help me God“, dann „SWISH“, für kurze Zeit „Waves“ und letztlich „The Life of Pablo“ genannt erschien das Album dann am Valentinstag. In gewisser Weise ist die Saga um die Veröffentlichung eine moderne Liebesgeschichte. Denn TLOP erschien exklusiv beim Musik-Streamingdienst Tidal, der keinem geringerem als Jay-Z gehört – einem guten Freund und langjährigen Gefährten von Mr. West. Nur leider interessieren sich nicht wirklich viele Leute für Tidal, wes wegen es fast so scheint als würde Yeezy seinem guten Freund Jay-Z mit der Exklusivveröffentlichung ein kleines Valentinstagsgeschenk bereiten wollen.

Nun gut, mittlerweile ist das Album draußen und noch immer scheiden sich die Geister. Ich will ehrlich sein: Nach dem ersten Hören hat mich das Album nicht ansatzweise so umgehauen wie damals noch „My Beautiful Dark Twistes Fantasy“, das für viele Kritiker – inklusive mir – Kanyes bestes Album darstellt. Doch mittlerweile kann ich behaupten: TLOP ist ein überdurchschnittlich gutes Album. Mit „808s & Heartbreak“ hat Kanye West sich und ein gesamtes Genre im Alleingang 2008 komplett neu erfunden. Contemporary Künstler wie The Weeknd gäbe es ohne den modernen Klassiker nicht.

Mit dem zwei Jahre später erschienenen Nachfolger MBDTF erfand sich Kanye erneut neu und erhielt spätestens dann Einzug in den Rap-Olymp. 2013 erschien dann Yeezus. Der aggressive, minimalistische Stil zog sich nahezu durch das komplette Album, Kanye schlug erneut eine neue Richtung ein. Nun, mit „The Life of Pablo“ bleibt die von vielen erwartete Neuerfindung aus. Kanye ließ drei Jahre auf sich warten und hat keine Revolution parat? Wie kann er nur…

Doch blickt man genauer auf das Album, dann scheint es fast wie ein melodischer Querschnitt durch die Karriere des Yeezus. Mit „Feedback“, „30 Hours“ und „No more Parties in L.A“ hat man Tracks, die so auch in das Klangbild von Kanyes „Late Registration“ passen würden. Ihr wolltet den alten Kanye? Da habt ihr ihn! „Famous“ und „Father Stretch My Hands“ hingegen könnten durchaus auf „Gratulation“ veröffentlich werden. Aber es gibt auch 808-esque Lieder wie „FML“ und das düstere „Wolves“ – klingt doch wirklich wie Tracks aus „808s & Heartbreak“, oder? Was dann doch tatsächlich fehlt, ist der Übergang zu „My Beautiful Dark Twisted Fantasy“. Am ehesten vielleicht noch „Waves“ mit der catchy Chris Brown Hook, wobei der Track viel zu harmonisch ist. Der Track hat es übrigens nur auf Wunsch und Bestehen von Chance The Rapper auf das Album geschafft. Ich bin ihm jedenfalls dankbar.

Vom Stil her hat es aber auch sein bis TLOP neustes Album auf das Album geschafft – „Yeezus“. „Freestyle 4“ – der übrigens von keinem geringerem als Tyler, the Crestor hart gefeiert wird – und vor Allem „Facts“ klingen verblüffend nach Yeezus. Zusammenfassend stimmt es, dass Kanye das Rad definitiv nicht neu erfunden hat und es ist auch mit 99 prozentiger Wahrscheinlichkeit nicht sein bestes Album, dennoch bildet gerade das Potpourri verschiedener Stile eine erfrischende Abwechslung, die einem wirklich Lust macht, wieder in die alten Kanye Alben zu hören. Wer weiß, vielleicht erschafft sich Kanye auf seinem für den Sommer angekündigten Album neu…