TV-DuellWas war das gestern für ein spannender Abend. Gleich fünf deutsche Sender übertrugen das Duell des Jahres, den intensiven Schlagabtausch zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (zuvor bei ProSieben im TV Duell-Vorprogramm bei Raabs Befragung von Erstwählern auch gerne mal Andrea Merkel genannt) und Peer Steinbrück, seines Zeichens Profi-Fettnäpfchentreter und irgendwie auch Sozialdemokrat mit gewissem Nebeneinkommen. Okay Hand aufs Herz.. Duell? Fehlanzeige.

Was sich dem gemeinen Fernsehzuschauer da gestern bot, war größtenteils Langeweile auf höchstem Niveau begleitet von vier Moderatoren, die irgendwie vier zu viel waren und von denen nur einer teils zu überzeugen wusste. Gestatten: Stefan Raab ist zurück und wenn es nach der Meinung vieler geht, wird er sich in vier Jahren gleich selbst um den „King of Kotelett'“ bewerben..

Duell ohne Diskurs

Der „Duell-Charakter“ des gestrigen TV-Duells war in etwa der des vergangenen Duells vor vier Jahren, und in etwa so kämpferisch wie ein Schachabend im Seniorenheim. Was anfangs zugegeben nach ersten Spitzen Peer Steinbrücks Hoffnung aufkommen ließ, es könne hier zu einem wirklichen Schlagabtausch kommen, verpuffte schnell. Viel zu rasch verkam das eigentliche TV-Duell zum Runterrattern des Parteiprogramms der CDU und SPD, nur selten kamen sich Merkel und Steinbrück in die Quere. Gut und gerne hätte man Merkel und Steinbrück auch in zwei unterschiedliche Studios stellen können. Doch was will man denn anderes erwarten in einer solchen „Show“?

Was mehr stört als die langweilige Performance der „Kontrahenten“ sind die Rahmenbedingungen des Formats an sich. Beide Politiker haben 90 Sekunden Zeit für ihre jeweiligen Antworten, beantwortet werden Fragen aus vier verschiedenen Themengebieten, die jeweils ungefähr 15 Minuten umfassen sollen. Die Themengebiete sind bereits vorher bekannt, Zeit also um noch einmal das Parteiprogramm inklusive Floskeln auswendig zu lernen. Um das ganze dann noch ganz und gar unberechenbar zu machen, stellen die Top-Journalisten von ARD (Anne Will), ZDF (Maybrit Illner), RTL (Peter Kloeppel) und ProSieben mit „Ich kann alles-Mann“ Stefan Raab fiese Fragen. Fragen, die gut und gerne einfach mal direkt abgeschmettert werden, um schnell zurück aufs Wesentliche zu kommen: Die Präsentation des Wahlprogramms.

Raabs Mut zur Hartnäckigkeit

Stefan Raab TV-Duell
Raab beim TV-Duell: Anfangs mutig, dann ruhig, am Ende bissig.

Ja, viel mehr war es nicht am gestrigen Abend, und da ist es auch nicht verwunderlich, dass die Vorstellung eines Stefan Raabs, der vorher von vielen noch als „Pausenclown“ gescholten wurde, und dem keiner so wirklich die Moderationsrolle in einem Duell „der ganz Großen“ zugetraut hätte, im Nachhinein so hoch gelobt wird. Letztlich war es nämlich wieder Raab gewesen, der selbst aus einem solchen „TV-Duell“ noch etwas herauszuholen wusste. Überraschenderweise war es der ProSieben Mann, der, sich zwar anfänglich noch von Merkel zurückschlagen lassend (die Beiden werden gewiss keine Freunde mehr..), am Ende als einziger wirklich nachfragte und unterbrach, Peer Steinbrück zu klaren Antworten zwang („Das ist doch keine Haltung zu sagen: Ich will nur gestalten, wenn ich ‚King of Kotelett‘ bin.“) und ihn wieder weckte aus seinen Träumen einer Rot-grünen Regierung.

Wenn Ketten und Moderatoren mehr interessieren..

Es ist deshalb schon eigentlich tragisch komisch, dass die vereinzelnden Wortgefechte des gestrigen Abends nicht zwischen Merkel und Steinbrück stattfanden, sondern sich zwischen ihnen und Raab austrugen. Der, so schien es, hatte neben Anne Will, die, das sei nebenbei erwähnt, wohl großen Gefallen an Raabs Hartnäckigkeit hatte und gerne mal lachte, als dieser weiter ausholte, als einziger wirklich Lust auf dieses TV-Duell. Anders als ein Peter Kloeppel. Der war einfach nur da.

merkel deutschlandkette
War der Blickfang des Abends und Gesprächsthema Nummer 1: Merkels Deutschland/Belgien-Kette

Bleibt eine Frage: Wenn nach einem TV-Duell nicht mehr die beiden Politiker, sondern ein Moderator und die Kette einer Kanzlerin (Die „Deutschlandkette“ hat bereits einen Twitter-Account) das Gesprächsthema Nummer 1 am folgenden Tag sind, läuft dann nicht irgendetwas falsch? Bleiben also nur zwei logische Alternativen, um zukünftige Duelle dieser Art eben genau zu solchen werden zu lassen. Möchte Raab weiter Bestandteil dieser sein und nicht selbst bald als „King of Kotelett“ in den Ring gehen, dann stünde ja einem „Schlag die Merkel“ (sofern sich die derzeitigen Wahlprognosen denn bestätigen) in vier Jahren nichts mehr im Wege. Mit Spielen wie „Schulden schätzen“, „Arbeiter gerecht entlohnen“ und „EU-Länder retten“. Gerne auch moderiert von Frank „Buschi“ Buschmann und mit Raab als Joker für den Kandidaten..

Ansonsten plädiere ich für den Vorschlag von Stefan NiggemeyerDie Kanzlerin und ihr Herausforderer sitzen sich 90 Minuten lang an einem Tisch gegenüber. Jeder von ihnen hat insgesamt 45 Minuten Redezeit. Ohne vier Moderatoren, vielleicht in einem kleinen Kellerraum für eine gewisse spannende Atmosphäre und mit Schachuhr auf dem Tisch zum Draufhauen.

Was bleibt am Ende zu sagen? Es darf mit Fug und Recht behauptet werden, dass die „Generation Erstwähler“ trotz ProSieben und Raab nach gestern nicht zwingend den Weg zur Wahlurne am 22. September suchen wird. Ich hab’s trotzdem geschaut – ohne Twitter wäre ich aber fast der aufkommenden Müdigkeit zum Opfer gefallen.. Schade eigentlich.