Es hätte das vorläufig tollste Wochenende des Jahres werden sollen: Rock am Ring. Doch was heute, einige Tage nach dem Festival bleibt ist nichts als Ernüchterung und blankes Unverständnis. Das Chaos fing bereits bei der Anreise an. Als wir nach einer halben Stunde Suche endlich ein freies Plätzchen zum Parken fanden, machten wir uns mit der ersten Fuhre auf zur Bändchenausgabe. Spoileralarm: An keinem Tag, zu keiner Zeit wurde kontrolliert ob ich wirklich dieses famose gelbe (warum zur Hölle gelb?!) Bändchen am Arm trug. Aber das war nicht das einzige organisatorische Chaos, nein. Auch die Zeltplatzsuche war eine einzige Schmach.

Wir kamen Donnerstags am Nachmittag an und durften uns auf Zeltplatz 5 aka dem letzten Eck niederlassen. Ein Freund von uns hingegen machte sich Freitag Abends auf die Suche nach einem Platz. Er durfte auf Zeltplatz 4 hausen, hatte damit 10 Minuten weniger Matschweg zum Gelände vor sich. Aber warum rege ich mich darüber auf? Letztlich gingen wir ohnehin nur zu einem Gig, da nahezu alle Konzerte die wir Samstags und Sonntags sehen wollten abgesagt wurden. Von daher war es ja eigentlich egal, wie lange unser Weg zum Gelände war.

Doch der wirkliche Skandal trug sich Freitag Abend zu. Donner, Blitze, Unwetter. Nein, das war nicht der Schock, denn für dieses tückische Wetter kann weder Mendig noch der Veranstalter, Marek Lieberberg, etwas. Das wirklich tragische daran war, dass circa 5 (in Worten: fünf) Minuten vor den ersten Blitzen erst vor etwaigen gewarnt wurde. Da stellt sich mir die Frage: Wie in Gottes Namen soll man binnen fünf Minuten durch den Matschsee namens Campingplatz waten um sein Zelt oder geschweige denn sein Auto zu erreichen? Wir hatten lediglich Glück, dass wir zu der Zeit ohnehhin in unserem Camp waren. Und die Leute an der Bühne? Die waren auf sich allein gestellt. Im Lidl durfte man sich nicht vor dem Unwetter schützen. „You Rock, We Care“, alles klar.

Man könnte meinen, dass das ein einmaliger Fehlschlag war und man sich auf den Samstag besser vorbereitet hätte. Denkste. Der Spielbetrieb wurde Samstags für immerhin sieben Stunden eingestellt. Der Ministerpräsident tagte in einer Notsitzung um „stündlich entscheiden zu wollen, wie man weiter verfahren würde“. Wir auf dem Campingplatz wurden darüber erst nicht unterrichtet. Auch das drohende Unwetter wurde lediglich 15 Minuten vorher angekündigt. Die offizielle App? Nein, dort stand vorerst auch nichts. Meine Mitbewohner, die daheim in Köln waren, wussten besser über die Geschehnisse Bescheid als ich, der schließlich auf dem Festival anwesend war. In meinen Augen ist das fahrlässig. Dass der Sonntag abgesagt wurde? Eine logische Konsequenz. Über 70 Leute wurden verletzt, zwei von Ihnen waren zwischenzeitlich tot und mussten reanimiert werden. Warum man nicht direkt nach dem Blitzeinschlag Freitag die Reißleine zog? Nunja, Geld scheint eben wichtiger zu sein, als Menschenleben.

Apropos Geld: Ich lernte viele junge Leute kennen, die mir allesamt erzählten, dass sie verdammt lange sparen mussten, um den Traum von Rock am Ring erfüllt zu bekommen. Knapp 200 Euro gingen dabei drauf. Für Teenager eine riesige Stange Geld. Eine neunzehnjährige erzählte mir, dass sie ihrem Freund das Ticket zum Jubiläum schenkte, 400 Euro waren dahin, das Pärchen darüber unglücklich – verständlicherweise. Das dritte Unding ereignete sich bei unserer Abreise. Auf dem Weg vom Auto zum Platz um die letzten Dinge zu holen, mussten wir eine Straße überqueren. Weil es dem Ordner anscheinend nicht schnell genug ging, bat dieser uns umzukehren, als wir mitten auf der Straße standen. Als wir seiner Bitte nicht Folge leisteten wurde einer aus unserer Gruppe als „Hurensohn“ beschimpft und mit Schlägen bedroht. Ganz großes Kino, Rock am Ring! Der einzige Wehrmutstropfen nach 2,5 Tagen Festival und 30 Minuten Livemusik war der, dass die Festivalbesucher unglaublich hilfsbereit waren. Man versuchte an allen Ecken das Beste draus zu machen und sich den Spaß nicht vermiesen zu lassen. Gab es Probleme, eilten fremde Leute zur Hilfe. Letztlich war der K.I.Z-Hit „Hurra die Welt geht unter“ nicht nur ein Lied, sondern das Motto des Wochenendes. Schade eigentlich…

 

Diese 38 (von insgesamt 73) Bands sollten auftreten, taten das aber nicht:

Black Sabbath
Korn
Biffy Clyro
Fettes Brot
Irie Révoltés
Bring me the Horizon
Olson
Wirtz
Alligatoah
SDP
Joleen
Kafka
From Ashes to New
Milliarden
Wage War
Chefboss
Schnipo Schranke
We are Scientists
Starset
Halestorm
The Amity Affliction
Birdy Nam Nam
Labrinth
Trivium
Rival Sons
Johnossi
Heißkalt
Henning Wehland
Trümmer
Avatar
Skillet
Caliban
Graveyard
SIXX:A.M.
Lonely the Brave
Uncle Acid & the Deadbeats
Foals
The Struts